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Als vor Jerusalem ein Wanderprediger am Kreuz starb, ahnte niemand, dass damit ein neues Zeitalter anbrach. Vier Jahrhunderte später wurde das christliche Bekenntnis zur römischen Staatsreligion. Manfred Clauss erzählt die aufregende Geschichte dieses frühen Christentums – von den versprengten Urgemeinden bis ins 6. Jahrhundert – und entwirft ein überraschendes, archaisch-schillerndes Panorama: Da wird aus heidnischen Sonnwendfeiern das Weihnachtsfest, Märtyrer sehnen sich nach dem Tod, ein neues, prägendes Lebensideal der Askese bildet sich heraus. Streiter für ihre Kirche wie Paulus und Augustinus propagieren ihre Lehre, schreiben gegen falsche Propheten an – und Gruppierungen wie Arianer und Doketisten bekämpfen sich bis aufs Blut. Denn es war nicht nur die Liebesbotschaft des Evangeliums, die den Erfolg brachte: Das Christentum, wie wir es heute kennen, ist nicht zuletzt das Ergebnis von Eifer, Gewalt und politischem Kalkül. Manfred Clauss zeichnet ebenso mitreißend wie gelehrt ein neues Bild unserer abendländisch-christlichen Anfänge. Die Wiederentdeckung eines verschütteten Ursprungs, der uns heute in vielem fremd ist – und doch die wechselvolle Geschichte der letzten zweitausend Jahre in Europa geprägt hat.

Antike Gebetshaltung mit ausgebreiteten Armen. - Wandmalerei, Calixtus-Katakombe, 3. Jahrhundert

Antike Gebetshaltung mit ausgebreiteten Armen. – Wandmalerei, Calixtus-Katakombe, 3. Jahrhundert

Obwohl das Buch sehr gut und verständlich geschrieben ist, konnte ich nie mehr als ein Kapitel am Tag lesen und musste auch dieses in Stücke von ca. 50 Seiten unterteilen. Je weiter das Buch auf dem Zeitstrahl voranschritt, um so wichtiger wurde diese Vorgehensweise für mich, um die Informationen aufnehmen zu können. Mich hat es nicht nur wenig überfordert, dass Clauss es dem Leser überlässt, aus seinen Zusammentragungen eigene Schlüsse zu ziehen.

Jedoch wird gut verständlich, welche Abzweigungen das Christentum ausgehend von den Jesus-Bewegungen nahm, welche Zweige neu austrieben und welche abstarben. Und vor allem zeigt das Buch eines: Dass ein historisch aufgeklärter Mensch nicht gleichzeitig ein gläubiger Christ sein kann. Nicht nur, dass die Person Jesus Christus bereits verzehrt wiedergegeben wurde, die ganze Religion wurde zurechtgezimmert wie ein Stuhl und ist genauso künstlich. Von dem, was den Glauben einmal ausgemacht hat, ist einfach so wenig über, wie die Vielfalt, die das Christentum einmal bot. Zumal viele andere Kulte vereinnahmt wurde, so war der Feiertag des Sonnengottes Mithras der 25. Dezember.

Der große Verdienst des Buches ist daher, dass Clauss als Althistoriker keine Kirchengeschichte betrieben hat, sondern Religionsgeschichte.

Fazit

Als Laie ist das Buch nicht ganz einfach verdaulich, aber für das Verständnis der Herkunft des Christentums unabdingbar.

Manfred Clauss, geboren 1945 in Köln, ist Professor emeritus für Alte Geschichte, zu deren bedeutendsten Kennern er gehört. Er lehrte in Berlin, Siegen, Eichstätt und Frankfurt am Main. Seine Bücher über Staaten, Gesellschaften und Religionen in der antiken Welt haben ein breites Publikum auch außerhalb der Wissenschaft gefunden. Nicht wenige davon sind heute Standardwerke, so etwa «Das Alte Ägypten» (2001), «Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt» (2003) und «Mithras. Kult und Mysterium» (2012).

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten Verlag: Rowohlt Berlin (29. Oktober 2015) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3871347949 ISBN-13: 978-3871347948

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Rowohlt Berlin (29. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3871347949
ISBN-13: 978-3871347948

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