Von Boston bis nach Esquel im mythenumwobenen Patagonien – an einem eiskalten Wintermorgen begibt sich Paul Theroux auf eine ganz besondere Zugreise: Mit Bummelbahnen und Luxuszügen fährt er monatelang quer durch die USA und Mexiko gen Süden. Unterwegs besucht er pittoreske mittelamerikanische Orte, trifft auf Fußballrowdys in El Salvador und Aussteiger in Costa Rica. Er setzt über den Panamakanal, begegnet Straßenkindern in Kolumbien, teilt sich ein Hotelzimmer mit Ratten in Ecuador und wird höhenkrank auf dem Weg zur Inka-Stadt Machu Picchu. Schließlich erreicht er die Endstation Esquel im Hochland Argentiniens – wo die Welt zu Ende ist, wie ihm scheint.
Treffsicher beschreibt Theroux seine Erlebnisse und Begegnungen von unterwegs – humorvoll, scharfzüngig und stilistisch brillant.

Old Patagonian Express "La Trochita", taken in ESQUEL ESTACION FCGR, U9200, Chubut, Argentina. Province: ISO 3166-2: AR-U. FIPS 10-4: AR04. INDEC: 26. Department: Futaleufú Department. (1)

Old Patagonian Express „La Trochita“, taken in ESQUEL ESTACION FCGR, U9200, Chubut, Argentina. Province: ISO 3166-2: AR-U. FIPS 10-4: AR04. INDEC: 26. Department: Futaleufú Department. (1)

Mit dem Buch gibt es ein ziemlich einfaches Problem: Sein Alter. Theroux unternahm die Reise 1978, das Copyright wird mit 1979 ausgewiesen, die erste deutsche Ausgabe erschien laut Amazon 1997. Ich gehe davon aus, dass sich in über 40 Jahren so viel geändert hat, dass die Berichte nur noch historischen Wert haben. *Haben Bücher ein Verfallsdatum?* wurde einmal auf dem Blog *Cronenburg* gefragt. Eine Frage, die mich seit dem Lesen des Artikels nicht mehr loslässt und mich immer fragen lässt, ob ich ein Sachbuch behalten oder abgeben soll. Im Fall von Reiseberichten würde ich sagen: Nach 40 Jahren hat ein Reiseerlebnis sein Verfallsdatum lange hinter sich. Es sei denn, der Bericht erklärt die Entwicklung der Gegenwart.

Und das bringt mich zum zweiten Kritikpunkt: Das Buch ist oberflächlich. Was ich an Tief im Süden desselben Autors so mag ist, dass er sich ein definiertes Gebiet vornimmt und versucht, dieses zu verstehen. In *Der alte Patagonien-Express* reist er von Chicago bis nach Patagonien mit dem Zug, wobei der namensgebende Expresszug nur der letzte ist. In jeder Stadt bleibt er maximal ein paar Tage, oft noch nicht einmal das. Er kann also nur beobachten, aber nicht verstehen.

Fazit

An das großartige *Tief im Süden* kommt das Buch leider nicht heran.

Paul Theroux, geboren 1941 in Medford, Massachusetts/USA, ist mit mehr als dreißig veröffentlichten Büchern einer der weltweit populärsten Gegenwartsautoren. Weltruhm erlangte er vor allem als Reiseschriftsteller. Daneben verfasste er autobiographisch beeinflusste Romane. Theroux ist seit 2013 Mitglied der American Academy of Science and Arts. Er lebt mit seiner Familie auf Hawaii und auf Cape Cod.

Erica Ruetz, geboren im Rheinland, arbeitet nach Stationen als Verlagslektorin in München und Zürich als freie Lektorin und Übersetzerin in Berlin und Andalusien. Mehrere Titel von Paul Theroux sind in ihrer Übersetzung bei Hoffmann und Campe erschienen.

Verlagsseite

ISBN: 978-3-455-50399-9 Einband:Schutzumschlag Seiten: 576 Erscheinungsdatum:16.04.2016 Übersetzung: Erica Ruetz 28,00 (D) 28,80 (A) 36,90 (CH)

ISBN: 978-3-455-50399-9
Einband:Schutzumschlag
Seiten: 576
Erscheinungsdatum:16.04.2016
Übersetzung: Erica Ruetz
28,00 (D)
28,80 (A)
36,90 (CH)

(1) Von PatagoniaArgentina – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2621730

Advertisements