Muslime in Deutschland – das ist Alltag und Normalität und doch vielen weiterhin fremd. Als Ex-Bundespräsident Christian Wulff sagte, der Islam „gehört zu Deutschland“, gab es Empörung und Unverständnis, was nicht nur politische Gründe hatte, sondern vor allem daran lag, dass viele Menschen kaum etwas von dieser Religion und Kultur wissen. Und dieses Wenige ist vielfach aufgeladen von Ängsten und Demagogie, was weder der reichen islamischen Geschichte, Poesie und Mystik noch dem muslimischen Glauben gerecht wird.

Aiman Mazyek, einer ihrer führenden Sprecher, erzählt aus dem Leben der 3 Millionen deutschen Muslime und klärt auf, welche Riten, Bräuche und Alltagsgewohnheiten ihr Leben bestimmen. Warum gibt es zum Beispiel im Islam keinen Sonntag im christlichen Sinne, wozu dient der Gebetsteppich, was ist der Haddsch? Was lehrt der Koran, welche religiösen Richtungen unterscheidet man, und wie stehen diese zu den aktuellen politischen Entwicklungen? Aiman Mazyek räumt mit Vorurteilen auf und lädt ein, den Islam als selbstverständlichen Teil der deutschen Gesellschaft kennenzulernen.

Muslime beim ṣalāt (1)

Muslime beim ṣalāt (1)

Das Buch ist so sinnvoll, wie das eines Süßwarenfabrikanten über gesunde Ernährung.
Mayzek ist Deutschlands bekanntester Lobbyist und die vermutlich größte Nervensäge, die das Land je hervorgebracht hat. Zumindest vergeht kaum ein Tag, an dem er keine Forderungen stellt, wie sich die Mehrheitsgesellschaft den Moslems anpassen soll. Einerseits nervt die Masse an Büchern unterdrückter Türkinnen und Islamkritikern wie Hirsi, andererseits war mir klar, dass ich *Was machen Muslime an Weihnachten?* mit genau so großer Vorsicht lesen muss. Es kam schlimmer. So schlimm, dass ich darüber nicht mehr hinwegsehen konnte.

Es fing damit an, dass das Wort *Islam* Frieden bedeuten soll. Was eine dreiste Lüge ist, denn es bedeutet *Unterwerfung* oder auch *Hingabe*.

Der arabische Begriff Islām (islām / إسلام) leitet sich als Verbalsubstantiv von dem arabischen Verb aslama („übergeben, sich ergeben, sich hingeben“) ab und bedeutet mithin „Unterwerfung (unter Gott)“, „völlige Hingabe (an Gott)“. Wikipedia

Da ich in großzügiger Stimmung war, habe ich dies überlesen.

Ungeduldiger wurde ich schon bei den Querschlägen gegen Pegida, da ich keine Statements über Kriminelle und ihren Anhang lesen wollte, sondern ein Buch über den religiösen Alltag der Moslems. Sofern man von einem religiösen Alltag sprechen kann, und sie nicht so auf dem Papier Moslems sind, wie die meisten Deutschen Christen.

Zum Reißen gespannt wurde mein Geduldsfaden, als Mayzek anfing darüber zu schwadronieren, dass der Islam eine europäische Religion in dem Sinne wäre, als dass er in Südosteuropa schon seit Jahrhunderten zu Hause wäre. Das bestreitet auch keiner, aber in Deutschland gibt es den Islam eben nicht seit Jahrhunderten. Inzwischen hatte ich den Verdacht, ein schlechtes Lobbywerk in den Händen zu halten. *Schlecht gemacht* in dem Sinne, dass es noch nicht einmal subtil vorgeht.

Mein Geduldsfaden wurde noch einmal angezogen (ich springe in der Chronologie des Lesens ein wenig hin und her), als die Terroranschläge als unislamisch bezeichnet wurden. Eine Auseinandersetzung mit Suren wie*“Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.” (Sure 8, Vers 55) „Und Allah hat euch zum Erbe gesetzt über ihr Land, ihre Wohnstätten und ihren Besitz, und auch ein Land, das ihr vorher nicht betreten hattet.“ (Sure 33, Vers 27) Sure 2, Vers 191: ´Und erschlagt sie (die Ungläubigen), wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung [zum Unglauben] ist schlimmer als Totschlag. …“* findet nicht statt.
Auch dies habe ich angesichts der Tatsache, dass mindestens 99,99% aller Moslems nicht mordend durch die Straßen ziehen, überlesen.

Ich beschloss dann das nächste Kapitel zu lesen, in der Hoffnung, nun einmal etwas über den Islam zu lesen. Und wie ich so blättere, um den Anfang des Kapitels zu finden, springt mich das Wort *Ausschwitz* an. Klar, der Islam und der Nationalsozialismus gehören thematisch ganz klar zusammen, da weiß jedes Kind… . Und da hat es mir endgültig gereicht.

Fazit

Mit dem Buch hat der Autor sich in Sachen Lobbyismus selbst übertroffen.


Aiman Mazyek, 1969 als Sohn eines Syrers und einer Deutschen in Aachen geboren, studierte Philosophie, Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Deutschland und Arabistik in Kairo. Von 2001 bis 2004 war er Pressesprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ab 2006 dessen Generalsekretär, seit 2010 ist er sein Vorsitzender. Er engagiert sich im christlich-islamischen Dialog und ist Mitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft. Aiman Mazyek arbeitet als Medienberater, er wurde nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo deutschlandweit bekannt, als er diesen Anschlag in zahlreichen öffentlichen Auftritten als mit dem islamischen Glauben unvereinbar verurteilte.

 € 16,99 [D] € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis) Paperback, Klappenbroschur ISBN: 978-3-570-10280-0 Erschienen: 09.05.2016

€ 16,99 [D]
€ 17,50 [A] | CHF 22,90*
(* empf. VK-Preis)
Paperback, Klappenbroschur ISBN: 978-3-570-10280-0
Erschienen: 09.05.2016

(1) Von Antonio Melina/Agência Brasil – Agência Brasil by Antonio Melina/Agência Brasil. 01.Dec.2003 as 11605.jpg, from where it was downloaded, cropped, and resized by Hajor., CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=171458

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