Bis zum Tag der Katastrophe gab es zwei Goldman-Familien. Die Baltimore-Goldmans und die Montclair-Goldmans. Die »Montclairs« sind eine typische Mittelstandsfamilie, kleines Haus im unschicken New Jersey, staatliche Schule für Marcus, den einzigen Sohn. Ganz anders die Goldmans aus Baltimore: Man ist wohlhabend und erfolgreich, der Sohn Hillel hochbegabt, der Adoptivsohn Woody ein Sportass erster Güte. Als Kind ist Marcus hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für diese »besseren« Verwandten und Eifersucht auf ihr perfektes Leben. Doch Hillel und Woody sind seine besten Freunde, zu dritt sind sie unschlagbar, zu dritt schwärmen sie für das Nachbarsmädchen Alexandra – bis ihre heile Welt eines Tages für immer zerbricht. Acht Jahre danach beschließt Marcus, inzwischen längst berühmter Schriftsteller, dass es Zeit ist, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben. Aber das Leben ist komplizierter als geahnt, und die »Wahrheit« über ihre Familie scheint viele Gesichter zu haben.

Boca Raton, Florida. Overlooking A1A (1)

Boca Raton, Florida. Overlooking A1A (1)

Richtig warm bin ich mit dem Buch nicht geworden – 6 Tage habe ich für 500 Seiten gebraucht. Denn obwohl das Buch angenehm zu lesen war und obwohl die geschilderten Szenen vor meinem geistigen Auge auftauchten, fehlte einfach die Spannung.

In vielen Rezensionen war zu lesen, dass die 100 letzten Seiten die besten wären, für mich waren sie aber die schwächsten. Gerne habe ich von den Jugendjahren Hillels und Woodys gelesen, auch wenn ich auf der ersten 70 Seiten das Buch beinahe abgebrochen hätte. Die Schilderungen aus Hillels Schulzeit waren einfach zu übertrieben und die Reaktionen der Eltern zu untertrieben: Man stelle sich vor, sein Kind käme regelmäßig grün und blau geschlagen und mit zerrissener Kleidung aus der Schule. Welche Eltern würden ihr Kind ermahnen, sich in der Schule mehr anzupassen?

Der Mittelteil war in Ordnung, dort wird die Grundlage für den Niedergang der Baltimores, mit einem Mix aus Missverständnissen und Verrat, gelegt. Ein wenig seltsam war die Erzählperspektive von Marcus, der gleichzeitig als allwissender Erzähler von Ereignissen erzählt, die er bedingt durch Abwesenheit nicht wissen kann und dann wieder in anderen Teilen des Buches als Ich-Erzähler auftritt.

Fazit

Von ca. Seite 100-400 empfand ich die Handlung als sehr angenehm und plastisch zu lesen. Der Anfang und das Ende gefielen mir weniger. Insgesamt fehlte der Zug, den Roman weiterzulesen.

Verlagsseite

Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang drei Romane veröffentlicht, »Les Derniers Jours de nos Pères«, »La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert« (dt.: »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert«) und »Le Livre des Baltimore« (dt.: »Die Geschichte der Baltimores«). Für »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« bekam Dicker den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Das bei einem winzigen Verlag erschienene Buch wurde in Frankreich zu der literarischen Sensation des Jahres 2012, die Übersetzungsrechte wurden mittlerweile in über 30 Sprachen verkauft. Mit »Die Geschichte der Baltimores« konnte Joël Dicker an diesen überwältigenden Erfolg anknüpfen – der Roman steht seit seinem Erscheinen im Herbst 2015 ununterbrochen auf den obersten Plätzen der französischen Bestsellerliste.

Erschienen am 02.05.2016 Übersetzt von: Andrea Alvermann, Brigitte Große 512 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-492-05764-6

Erschienen am 02.05.2016
Übersetzt von: Andrea Alvermann, Brigitte Große
512 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05764-6

(1) Von Infrogmation of New Orleans – Photo by Infrogmation of New Orleans, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30984641

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