1949. Auf Islands Bauernhöfen herrscht akuter Frauenmangel, während in Deutschland auf einen Mann fünf Frauen kommen. Hunderte von ihnen entschließen sich, nach Island zu emigrieren – in ein Land, von dem viele nicht einmal wissen, wo genau es liegt. Ihre Motive sind so unterschiedlich wie ihre Biografien. Anhand ausgewählter Lebenswege zeichnet Anne Siegel spannende Schicksale nach. Sensibel und mitreißend schildern die heute betagten Frauen, wie sie überwältigt wurden von der Gastfreundschaft der Bewohner und der Wildheit der Natur; wie sie als Landarbeiterinnen ein neues Zuhause fanden, Familien gründeten und für immer blieben.

Der Wasserfall Gullfoss, einer der Orte des Golden Circle. (1)

Der Wasserfall Gullfoss, einer der Orte des Golden Circle.
(1)

Vier Dinge fallen an diesem, durchaus nicht uninteressanten Buch auf:

1.) Die Frauen der 40er und 50er Jahre sahen durch die ewig gleiche Standardfrisur aus wie Klone, die jeglicher Individualität beraubt worden sind. Irgendwie gruselig.

2.) Die Motive sind gar nicht so unterschiedlich, heute würde man diese Frauen Wirtschaftsflüchtlinge nennen. Wobei ich für jeden Verständnis aufbringe, der Deutschland verlässt und nie wieder sehen will. Ich würde es umgehend genauso machen, wenn ich könnte.

3.) Kriegsgeschichten, und Nachkriegs – *Was hatten wir für Hunger* – Geschichten haben ein nach oben offenes Nervpotential. Vor allem, wenn ein Viertel des Buches von dem alten Kram erzählt.

4.) Es ist unglaublich, was für ein schlampiges Deutsch ins Schriftdeutsche Einzug gehalten hat. Die Formulierung *jemand ist in xyz gelandet*, ist schon im sprachlichen Deutsch mehr als fragwürdig. Und in dem Buch *landet* jemand ständig irgendwo – in Island, im Rollstuhl, in der Psychiatrie und an anderen Orten. Sprachästheten kann man das Buch wirklich nicht empfehlen.

Ansonsten ist das Buch sehr interessant und berichtet über die gemeinsame deutsch-isländische Geschichte, welche nicht erst in der Nachkriegszeit beginnt: Bereits in den 20er, 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zog es Deutsche auf der Suche nach einem freieren Leben nach Island. Und das bekamen sie: Island war das einzige britische Protektorat, welches sich den Anordnungen zur Auslieferung deutscher Staatsangehöriger widersetzt, bzw. nicht umsetzte.

Interessant waren auch die die Schilderungen der unterschiedlichen Kulturen – die Isländerinnen waren schon weitestgehend an die Gleichberechtigung, Jazz-Clubs und uneheliche Kinder gewöhnt – und trafen dann auf die verdrucksten, deutschen Mäuschen.

Ein wenig unglaubwürdig wirkte es auf mich, wie toll sich immer alles einfügte und wie schnell alle Isländisch lernten und teilweise nach zwei Monaten schon ein wenig die Zeitung lesen konnte. Andererseits kann man es auch als Beweis sehen, dass man Ausländer nicht mit kostenaufwendigen Sprachkursen zu Lasten des Staates päppeln sollte, sondern man sie einfach ins kalte Wasser werfen muss – so geht es am schnellsten und unkompliziertesten für alle. Forderungen hatte von den Frauen keine an den Staat zu stellen

Fazit

Das schlampige Deutsch hätte mich fast zum Abbruch bewegt, denn es macht das Buch sehr unangenehm zu lesen, aber aus den Lebensgeschichten lassen sich recht interessante Folgerungen für die Gegenwart ableiten.

Anne Siegel, 1964 geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, lebt in Köln und San Francisco und arbeitet als Buchautorin, Radio- und TV-Journalistin und Hörspielautorin. Nach mehreren Sachbüchern wie dem viel beachteten vorliegenden Band erschien 2015 ihr Romandebüt »Nordbräute«.

Verlagsseite

 € 15,00 [D], € 15,50 [A] Erschienen am 04.10.2016 272 Seiten, Klappenbroschur Vorwort von Kristín Steinsdóttir ISBN: 978-3-492-40609-3


€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 04.10.2016
272 Seiten, Klappenbroschur
Vorwort von Kristín Steinsdóttir
ISBN: 978-3-492-40609-3

Pönnukökur – Isländische Pfannkuchen

130 g Mehl
600 ml Milch
3 Ei(er)
1/2 TL Salz
1/2 TL Zucker
1/4 TL Vanille
40 g Butter
Zucker zum Bestreuen oder
Konfitüre zum Bestreichen
evtl. Schlagsahne

Arbeitszeit: ca. 15 Min. Ruhezeit: ca. 1 Std. / Schwierigkeitsgrad: normal / Kalorien p. P.: keine Angabe
Eier, Milch und Vanille schlagen. Die trockenen Zutaten mixen. Zur Eiermasse geben und gründlich rühren. Etwa 1 Std. in den Kühlschrank stellen.

Butter auslassen, in den Teig gießen und mit dem Schneebesen vermischen.

Die Pfannkuchen-Pfanne sehr heiß werden lassen. Etwas Teig hineingießen. Die Pfanne hin- und herbewegen, damit der ganze Boden mit Teig bedeckt und die Pfannkuchen schön dünn werden. Einen Moment lang backen, dann umdrehen und die andere Seite kurz ausbacken. Auf Teller geben. Mit Zucker bestreuen.

Konfitüre und Schlagsahne passen ebenfalls sehr gut dazu.

(1) Von Halbmastwurf (Diskussion) – Eigenes Werk (Originaltext: selbst erstellt), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23294465

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