Als 323 v.Chr. Alexander der Große völlig überraschend im Alter von kaum 33 Jahren in Babylon stirbt, ist sein ganzes Geschlecht – das makedonische Königshaus der Argeaden – dem Tode geweiht. Was sich in den folgenden 25 Jahren an Intrigen und Gewalt, Mord und Krieg abspielt, kann mit jedem Königsdrama Shakespeares mithalten. James Romm beschreibt meisterhaft die dramatischen Ereignisse im Kampf um das Erbe Alexanders. In einer gespenstischen Sterbeszene nimmt Alexander Abschied von seinen engsten Gefährten, die ihm von Jugend auf vertraut waren und mit ihm buchstäblich die Welt erobert hatten. Die Frage, auf wen sein Reich übergehen solle, soll er mit den Worten beantwortet haben: „Auf den Stärksten“. Wer aber der Stärkste ist, muss blutig ausgekämpft werden. Als Resultat dieses Ringens versinkt das riesige Herrschaftsgebilde, das sich über drei Kontinente ausdehnt, in einer nicht enden wollenden Folge von Kriegen. Dabei werden die Familienangehörigen des Toten zu Faustpfändern in den Händen der Diadochen, der ehemaligen Generäle Alexanders, von denen jeder versucht, die gesamte Macht auf sich zu vereinen. In seiner mitreißenden Schilderung der stürmischen Ereignisse und der ebenso leidenschaftlichen wie gewissenlosen Akteure ist dem Autor ein wahres Epos über den Untergang eines Weltreichs gelungen.

Alexander im Schlachtgetümmel, Detail der berühmten „Alexanderschlacht“ (Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr.) (6)

Alexander im Schlachtgetümmel, Detail der berühmten „Alexanderschlacht“
(Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr.) (6)

Zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich weiß so gut wie nichts über griechische Geschichte. Was eine noch größere Schande ist, da ich Byzanz sehr interessant finde, wofür die griechische Antike das Fundament ist. Aber genau deswegen hat mich das Buch begeistert: Weil es ganz nebenbei die Grundlagen erklärt, sei es, wie Thessaloniki zu seinem Namen kam oder wie die Linie der Ptolemäer begründet wurde. Das Buch ist ein gut verständlicher Crashkurs und gleichzeitig spannend geschrieben wie ein Thriller.

Dabei schreibt Romm sehr neutral, auch wenn ich mir einen Lieblingsprotagonisten erwählt habe, nämlich Eumenes . Was der Mann, der als Sekretär begann und zu einem großem Feldherrn aufstieg trotz widrigster Umstände zu leisten imstande war, war einfach genial.

Ein bisschen enttäuscht war ich, dass das Buch mit dem Tod des jüngeren Alexander endet, allerdings musste es wohl irgendwann enden. So hoffe ich auf eine Fortsetzung.

Fazit

Ein lehrreiches Sachbuch als Pageturner – was will man mehr?

James Romm ist vielfach durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der griechischen und römischen Altertumskunde ausgewiesen und lehrt als Professor for Classics am Bard College (New York).

Verlagsseite

 Romm, James Der Geist auf dem Thron Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe 2016. 352 S.: mit 19 Abbildungen und 6 Karten. Gebunden ISBN 978-3-406-68803-4 Von James Romm. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber

Romm, James
Der Geist auf dem Thron
Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe
2016. 352 S.: mit 19 Abbildungen und 6 Karten. Gebunden
ISBN 978-3-406-68803-4
Von James Romm. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber

Links

Wikipedia – Vergina
Wikipedia – Argeaden
Wikipedia – Eumenes

Eingang zu einem Kammergrab zwischen Großem Tumulus und Palast in Vergina (1)

Eingang zu einem Kammergrab zwischen Großem Tumulus und Palast in Vergina (1)

Der rekonstruierte vordere Teil des Ischtar-Tores im Berliner Pergamonmuseum (2)

Der rekonstruierte vordere Teil des Ischtar-Tores im Berliner Pergamonmuseum (2)

Überreste des Tors in Babylon nach seiner Ausgrabung (3)

Überreste des Tors in Babylon nach seiner Ausgrabung (3)

Alexander im Schlachtgetümmel, Detail der berühmten „Alexanderschlacht“ (Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr.) (6)

Alexander im Schlachtgetümmel, Detail der berühmten „Alexanderschlacht“
(Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr.) (6)

Alexander der Große; hellenistisch, 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr., griechischer Marmor (7)

Alexander der Große; hellenistisch, 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr., griechischer Marmor (7)

Der Leichenzug gemäß der Beschreibung bei Diodor (Rekonstruktionsversuch des 19. Jahrhunderts) (8)

Der Leichenzug gemäß der Beschreibung bei Diodor (Rekonstruktionsversuch des 19. Jahrhunderts)
(8)

(1) CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=471077
(2) Von GryffindorDiese Datei wurde mit Hugin erstellt – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2981315
(3) Von Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA – Library of Congress, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2020755
(4) Von Kerri-Jo Stewart from Vancouver, Canada – BGD Ranch’s Caspians, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9093602
(5) Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=649242
(6) Von Berthold Werner, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32224319
(7) Von Unbekannt – © Andrew Dunn (3 December 2004), website: http://www.andrewdunnphoto.com/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=531476
(8) Von Unbekannt – http://www.alexanderstomb.com/main/imageslibrary/alexander/index.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=649351

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