Immer wieder zog es den polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński nach Afrika, zu den Schauplätzen von Staatsgründungen, Putschen und Bürgerkriegen. Mehr als 40 Jahre hat er den »Schwarzen Kontinent« bereist, seine Menschen erforscht und in seinen Reportagen beschrieben. Die Summe seiner Neugier, seiner Erfahrungen, seiner Faszination und seines ohnmächtigen Staunens über die gewaltigen Dimensionen Afrikas geben ein hautnahes Bild.

Vegetationsgebiete Afrikas: dunkelgrün Tropische Regenwälder; rötlich: Wüsten und Halbwüsten, hellere Grüntöne: Savannen; lila: mediterrane Vegetation (zur Legende siehe Weltkarte Vegetation) (1)

Vegetationsgebiete Afrikas: dunkelgrün Tropische Regenwälder; rötlich: Wüsten und Halbwüsten, hellere Grüntöne: Savannen; lila: mediterrane Vegetation (zur Legende siehe Weltkarte Vegetation) (1)

Ich hatte mit dem Buch zwei grundlegende Probleme:

1.) Der Autor legt oft mehrere Personen zu einer zusammen, ist also alles andere als ein ehrlicher Reporter. (Quelle: Wiedemann – Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben) Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich das Buch nie bestellt. Das ist das, was mich am meisten gestört hat, das ich beim Lesen nie wusste, was nun echt war und was nicht.
Vielmehr habe er die Grenzen der Reportage weit auf das Gebiet der Literatur ausgedehnt. „Er hat fabuliert, er hat die Fakten seinem erzählerischen Ziel untergeordnet“, so sein Biograf Domosławski. Wikipedia

2.) Die Reportagen sind zum Teil einfach alt. Ein Revolte in den 60er Jahren in Nigeria oder Sansibar finde ich nicht so wirklich spannend.

Wobei für mich der zweite Teil der entscheidende Teil war. Was ich ausdrücklich schade finde, denn man erfährt über den afrikanischen Alltag und Mentalität, wobei dies auch schon wieder täuschend ist. Man stelle sich einmal vor, umgekehrt würde ein Afrikaner unterschiedslos über die europäische Lebensweise und Mentalität schreiben – Schweden, Norweger, Spanier und Griechen, alle gleich. Die Reportagen sind durchaus ein Kind ihrer Zeit.

Fazit

Wenn man das Buch vorsichtig liest und sich bewusst dies macht, kann man das Buch allerdings sicherlich mit Gewinn lesen. Ich hätte es getan, wenn es nicht so viel alte Politik enthalten hätte.

Ryszard Kapuściński, geboren 1932 in der ostpolnischen Stadt Pinsk, gestorben 2007 in Warschau, wurde in den Fünfzigerjahren als Korrespondent nach Asien und in den Mittleren Osten, später auch nach Lateinamerika und nach Afrika entsandt. Er zählte zu den großen Journalisten seiner Zeit, seine Reportagen aus der Dritten Welt sind weltberühmt. 1994 war er der erste Preisträger des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung, 1999 wurde er in Polen zum »Journalisten des Jahrhunderts« ernannt, 2004 erhielt er in Wien den »Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch« des Jahres 2003.

Taschenbuch: 368 Seiten Verlag: NG Taschenbuch (2. November 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3492406076 ISBN-13: 978-3492406079 Größe und/oder Gewicht: 12,2 x 2,2 x 18 cm

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: NG Taschenbuch (2. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492406076
ISBN-13: 978-3492406079
Größe und/oder Gewicht: 12,2 x 2,2 x 18 cm

(1) Von Vegetation.png: Ville Koistinen (user Vzb83)derivative work: Ukabia (talk) – Vegetation.png, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6070526

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