Peter Frankopan lehrt uns, die Geschichte neu zu sehen – indem er nicht Europa, sondern den Nahen und Mittleren Osten zum Ausgangspunkt macht. Hier entstanden die ersten Hochkulturen und alle drei monotheistischen Weltreligionen; ein Reichtum an Gütern, Kultur und Wissen, der das Alte Europa seit jeher sehnsüchtig nach Osten blicken ließ. Frankopan erzählt von Alexander dem Großen, der Babylon zur Hauptstadt seines neuen Weltreichs machen wollte; von Seide, Porzellan und Techniken wie der Papierherstellung, die über die Handelswege der Region Verbreitung fanden; vom Sklavenhandel mit der islamischen Welt, der Venedig im Mittelalter zum Aufstieg verhalf; von islamischen Gelehrten, die das antike Kulturerbe pflegten, lange bevor Europa die Renaissance erlebte; von der Erschließung der Rohstoffe im 19. Jahrhundert bis hin zum Nahostkonflikt. Schließlich erklärt Frankopan, warum sich die Weltpolitik noch heute in Staaten wie Syrien, Afghanistan und Irak entscheidet.
Peter Frankopan schlägt einen weiten Bogen, und das nicht nur zeitlich: Er rückt zwei Welten zusammen, Orient und Okzident, die historisch viel enger miteinander verbunden sind, als wir glauben. Ein so fundiertes wie packend erzähltes Geschichtswerk, das wahrhaft die Augen öffnet.

Briefleserin am offenen Fenster - Im Vordergrund liegt eine weiß-blau bemalte Schale , wie es für ostasiatische Keramiken üblich ist. Jan Vermeer, 1657 Öl auf Leinwand 83 × 64,5 cm Gemäldegalerie Alte Meister

Briefleserin am offenen Fenster – Im Vordergrund liegt eine weiß-blau bemalte Schale , wie es für ostasiatische Keramiken üblich ist.
Jan Vermeer, 1657
Öl auf Leinwand
83 × 64,5 cm
Gemäldegalerie Alte Meister

In das Buch bin ich erst recht schlecht reingekommen, ich musste mich zwingen, am Tag ein Kapitel zu lesen, danach wurden es zwei und auf einmal musste ich meine Lektüre auf vier Kapitel am Tag begrenzen. Gegen Ende (ab 1900) flachte es wieder auf ein Kapitel ab, da die Zusammenhänge komplizierter wurden und ich auch alles verstehen wollte.

Das Kommen und Gehen von Religionen, Herrschern und Dynastien, von Landgewinnen und -verlusten wird sehr eingängig nacherzählt. Und immer wird nicht die Frage aus dem Blick verloren, wo der Westen endet und der Osten anfängt. (Eine Frage, welche bis heute nicht vollständig aufgelöst ist.) Nur eines wird nach und nach klar: Europa ist nur der Wurmfortsatz Asiens.

Sehr interessant sind auch gerade die Kapitel nach 1900, in denen nach und nach klar wird, dass in dieser Zeit die Grundlagen für die Konflikte von heute gelegt wurden. So unterstützten die USA 1979 iranische Islamisten, um das Regime in Teheran zu schwächen.

Fazit

Ein Buch, welches deutlich aufzeigt, wie eng Europa und Asien immer miteinander verflochten waren.

Verlagsseite


Peter Frankopan, geboren 1971, zählt zu den profiliertesten jüngeren Historikern Großbritanniens. Er ist Leiter des Zentrums für Byzantinische Studien an der Universität Oxford und äußert sich als Experte für die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens regelmäßig in der internationalen Presse – auch zu den aktuellen Entwicklungen in der Region. «Licht aus dem Osten» führte in Großbritannien die Bestsellerlisten an.

 Verlag: Rowohlt Berlin Erscheinungstermin: 21.09.2016 Lieferbar 944 Seiten ISBN: 978-3-87134-833-4 übersetzt von: Norbert Juraschitz; Michael Bayer Deutsche Erstausgabe


Verlag: Rowohlt Berlin
Erscheinungstermin: 21.09.2016
Lieferbar
944 Seiten
ISBN: 978-3-87134-833-4
übersetzt von: Norbert Juraschitz; Michael Bayer
Deutsche Erstausgabe

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