Ein einsam gelegenes Ferienhaus. Tief unten das Tal mit seinen würfelkleinen Häusern, eine Serpentinenstraße führt hinauf. Das kalte Blauweiß der Gletscher, schroffer Granit, die Wälder im Dunst – es ist Dezember, Vorweihnachtszeit. Ein junges Ehepaar mit Kind hat sich für ein paar Tage dieses komfortable Haus gemietet, doch so richtig aus der Welt sind sie nicht: Das Kind erzählt wirre Geschichten aus dem Kindergarten, die Frau tippt Nachrichten auf dem Telefon, und der Mann – ein Drehbuchautor, von dem ein Produzent den zweiten Teil seiner erfolgreichsten Komödie erwartet – schreibt Ideen und Szenen in sein Notizbuch. Aber mehr und mehr notiert er auch anderes – eheliche Spannungen, Zwistigkeiten, vor allem die seltsamen Dinge, die rings um ihn geschehen. Denn mit dem Haus stimmt etwas nicht.
Daniel Kehlmanns phantastische Erzählung ist im doppelten Wortsinn unheimlich, die Spirale in den Abgrund entwickelt einen starken Sog – umso mehr, als dem Schrecken etwas zur Seite gestellt wird: die wechselnden Stimmungen in der Familie, das Nebeneinander von Liebe und Gereiztheit, die Sorge um das Kind. «Das Geheimnis ist, dass man sich ja doch liebt.» Ist es so? Allmählich verschwimmen die Konturen, und der Boden beginnt zu wanken.

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Ich mag ja Gruselgeschichten, gerade auch die subtilen.

Tatsächlich schafft es der Autor, dass vor dem geistigen Auge ein düsteres, verwinkeltes Haus entsteht, in welchem Bilder mal an den Wänden hängen, mal nicht und unheimliche Gestalten an Fenstern stehen.

Nur ließ der Autor teilweise viel aus. Damit meine ich nicht, dass ganze Sätze und Seiten im Nichts enden. Sondern woher der Hauptcharakter die Eingebung hatte, mit seiner Tochter rückwärts zu laufen, um die Ehefrau zurückzuholen. Auch die Berechnungen mit den Dreiecken habe ich nicht begriffen, was ich allerdings auf meine mangelhaften Geometriekenntnisse schob.


Fazit

Das Buch hat das Potential der Geschichte auf der einen Seite ausgeschöpft. Aber einige Geschehnisse sind mir nicht klar geworden.

Daniel Kehlmann ist einer der Shootingstars der deutschen Literatur. 1997 veröffentlichte der 1975 geborene Sohn eines Regisseurs und einer Schauspielerin seinen ersten Roman. Auf „Beerholms Vorstellung“ folgten in knappen Abständen weitere Romane, Erzählungen und eine Novelle. 2005 erschien „Die Vermessung der Welt“, ein Welterfolg, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde. Darüber hinaus erhielt Daniel Kehlmann schon in den ersten Jahren seiner Schriftstellerkarriere etliche der renommiertesten deutschen Literaturpreise, häufig gar mehrere in einem Jahr. Darunter befanden sich der „Kleist-Preis“ (2006) und der „Thomas-Mann-Preis“ (2008). Kehlmann besuchte als Kind eine Jesuitenschule und studierte in Wien Philosophie und Germanistik. Heute ist er freier Autor und Essayist.

Gebundene Ausgabe: 96 Seiten Verlag: Rowohlt; Auflage: 2 (21. Oktober 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3498035738 ISBN-13: 978-3498035730 Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 1,5 x 19,5 cm

Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 2 (21. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3498035738
ISBN-13: 978-3498035730
Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 1,5 x 19,5 cm

(1) Von Pudelek (Marcin Szala) – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37688619

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