„Das gelbe Dossier“ gilt als ein Meisterwerk der neueren griechischen Literatur. Für den bekannten Literaturkritiker Demosthenes Kourtovik handelt es sich dabei um „einen der besten griechischen Romane, die je geschrieben worden sind.“ Und Petros Markaris bezeichnet den Autor Karagatsis im Vorwort als einen „Meister der Erzählkunst“ – dem großen Nikos Kazantzakis ebenbürtig.
Der Inhalt:
Im Heute begegnet der Schriftsteller (und Ich-Erzähler) Karagatsis, der sich selbst als Romanfigur inszeniert, am Grab des Literaten Manos Tassakos einer geheimnisvollen Frau namens Maria. Sie vertraut ihm in der Folge ein gelbes Dossier mit persönlichen Materialien von und zu Tassakos an. Tassakos ist der eigentliche Protagonist des Werkes, der, wie wir zu Beginn des Romans erfahren, Selbstmord verübt haben soll. So entrollt sich auf einer zweiten Ebene – als Roman im Roman – der Knäuel des geheimnisvollen Lebens und Todes des Helden, der sich als skrupelloser und unmoralischer Ränkeschmied und Intrigant sowie leidenschaftlicher Liebhaber Marias entpuppt. Letztere wird als sein weibliches Alter Ego dargestellt, die ihm – im Positiven wie im Negativen – Gleiches mit Gleichem vergilt. Eine entscheidende Rolle in der Handlung nehmen auch der Mentor von Tassakos, der große, mit dem Nobelpreis dekorierte Literat Kostis Roussis und dessen Neffe Nikos ein, die beide ebenfalls in einem engen Verhältnis zu Maria stehen. Die Handlung wird in der Folge stetig mit neuen dramatischen Ereignissen aufgeladen, welche die Spannung durchgängig aufrecht erhalten.

Bei dem Buch bin ich an der Bindung gescheitert. Habe ich noch nach dem Aufschlagen das feine Papier gestreichelt, so stellten sich gegen Seite 50 die ersten Krämpfe in der Hand ein. Gegen Seite 200 (Abbruch) schmerzte angesichts der straffen Bindung mein Arm bis hoch zur Schulter.

Wie empfand ich die Handlung bis dato? – Ich war weitestgehend damit beschäftigt, meine Schmerzen zu ignorieren, aber ein richtiger Krimi war es zumindest bis dahin nicht. Um Grunde geht es um ein Dossier, welches dem Autor 16 Jahre nach dem Tod eines Schriftstellerkollegen übereignet wird. In diesem wird die Vorgeschichte des Mordes oder Selbstmordes berichtet. Ich empfand es als ein hohles Geschwätz um (literarische) Schaffensprozesse. Vielleicht wird es noch spannend, aber das werden Leser mit stärkeren Händen und Armen als ich sie habe rausfinden müssen.


Fazit

Was mir von dem Buch in Erinnerung bleiben wird, sind neben Armschmerzen die fehlende Krimihandlung. Aber es kann sehr gut sein, dass diese noch einsetzt.

M. Karagatsis, Pseudonym des mit dem Namen Dimitrios Rodopoulos 1908 in Athen geborenen und 1960 ebenfalls in Athen verstorbenen griechischen Prosaautors, ist im deutschsprachigen Raum weitestgehend unbekannt. Nichtsdestotrotz zählt er mit seinem – angesichts seiner nur 52 Lebensjahre – bemerkenswert reichhaltigen Werk zu den bedeutendsten und einflussreichsten griechischen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Es umfasst unter anderem 15 Romane und mehrere Erzählbände, Theaterstücke und Essaysammlungen.

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten Verlag: Verlag der Griechenland Zeitung - Hellasproducts GmbH; Auflage: 1 (20. Oktober 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3990210157 ISBN-13: 978-3990210154

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Verlag der Griechenland Zeitung – Hellasproducts GmbH; Auflage: 1 (20. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990210157
ISBN-13: 978-3990210154

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