Dieser Artikel erschien im Original auf Spielebewertungen.

Die schönste Szene im Spiel: Rene und Spot in den Wolken. Ich hätte ewig zusehen können.

Die schönste Szene im Spiel: Rene und Spot in den Wolken. Ich hätte ewig zusehen können.


Zwei Kinder, Noah und Rene, flüchten in einen Bunker. Auf einmal tut sich ein Durchgang zur Welt Silence auf. Dort fehlt einem Spiegel ein Splitter, um wieder Heil zu werden und die falsche Königin für immer regieren zu lassen. Das kann eine alsbald versammelt Heldenschar natürlich nicht zulassen.

Zuständig für Unfug aller Art: Die Lumis.

Zuständig für Unfug aller Art: Die Lumis.

Leider konnte die Geschichte mich nicht überzeugen. Die Erzählweise ist sehr kindlich und der Twist um Kyra reißt auch nichts mehr raus. Ganz davon abgesehen, dass Silence kein Fantasyname für ein Land ist. Setzt man den Splitter ein, lohnt es sich den Abspann abzuwarten.

Das lag vor allem an der Ausgestaltung der Figuren: Am ehesten konnte die Raupe Spot überzeugen, welche durch ihre Wandlungsfähigkeit die schwierigste Rätselkette bekam. Ansonsten beschränkte sie sich aufs Helfen, ein echter Freund sein und niedlich aussehen. Rene, das kleine Mädchen, war mit ihrem knuffigen Aussehen der Hauptgrund, warum ich Silence überhaupt gekauft habe.

Spot, die intelligeneste, freundlichste, hilfsbereiteste und wandlungsfähigste Raupe der Spielgeschichte, hat sich schon längst ein eigenes Spiel verdient.

Spot, die intelligeneste, freundlichste, hilfsbereiteste und wandlungsfähigste Raupe der Spielgeschichte, hat sich schon längst ein eigenes Spiel verdient.

Danach bröckelt es bei den Figuren gewaltig: Noah nervt extrem mit seinen Sprüchen, dass er als Sadwick gar nichts packen würde. Dies hat Sadwick in TWW 1 zwar auch getan, aber mit einer gehörigen Portion Zynismus garniert mit einer saftigen Familiengeschichte. Wenn der TWW 1 – Sadwick Zweifel an sich selbst bekam, gab es etwas zu lachen. Noah wird dagegen einfach nur therapiebedürftig. Der Abschuss war, als er sich eine Clownskappe aufsetzte und dann fortwährend als Sadwick bezeichnet wird. Das hat das Original nicht verdient.

Die Kriegerin Kyra wird wie eine Parodie auf diverse Action-Figuren und hat dafür gesorgt, dass endgültig Kinderfernseh-Stimmung aufkam. So wie ihre Figur angelegt wurde, zerstörte sie das ganze Spiel. Sam und Yanos sind einfach nur Füllmaterial für Dialoge und ansonsten nicht wahrnehmbar.

Die Heldenschar ohne Spot.

Die Heldenschar ohne Spot.

Was absolut deplaziert war, war die Armee der Sucher. An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob ich die Idee genial oder komplett bescheuert finden soll. Sie sehen aus wie aus Star Wars oder ähnlichen SciFi-Kram entsprungen und sind in der Welt absolut deplaziert. Andererseits gehören sie dort auch nicht hin.

Ein Sucher.

Ein Sucher.

Die Grafik ist hervorragend, auch wenn es den typischen Daedalic-Stil nicht mehr gibt und man nicht mehr anhand der Grafik sagen kann, aus welchem Studio das Spiel stammt. Sehr negativ waren die langen und häufigen Ladebildschirme. Sobald man den Bildschirm wechselte, sah man sehr lange einen schwarzen Bildschirm an.

Zwei Knufffis unter sich.

Zwei Knufffis unter sich.

Die Steuerung war ein wenig gewöhnungsbedürftig, gerade, wenn man Gegenstände verrücken oder an ihnen ziehen konnte. Spot ließ sich im Gegensatz zu TWW 1 leichter verwandeln, in aller Regel brauchte man ihn nur in die richtige Form ziehen, bei anderen Rätseln benötigte er dazu andere Gegenstände. Die Formen Platt-Normal-Wasser-Spot konnte man immer mit der Maus einstellen.

Es sollte verboten sein, so niedlich zu sein wie Spot. Dieser hat dank der neuen Grafik viele Ausdrucksmöglichkeiten dazu gewonnen.

Es sollte verboten sein, so niedlich zu sein wie Spot. Dieser hat dank der neuen Grafik viele Ausdrucksmöglichkeiten dazu gewonnen.

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Die Rätsel sind neben der Geschichte ein weiterer großer Schwachpunkt: Sie sind kaum vorhanden, das Spiel spielt sind fast von selbst. Wie in TWW 1 ist eine Rätselkette um Sport mit Abstand am schwierigsten, wenn er sich jeweils in die richtige Form verwandeln und die richtige Aktion ausführen muss. Im Gegensatz zu TWW 1 macht es keinen Spaß, auszuprobieren, soweit es mangels Inventar überhaupt etwas zum Ausprobieren gibt. Lustige Kommentare sollte man nicht erwarten.

Alte Bekannte, die auch schon einmal witziger waren: Die Steinbrüder.

Alte Bekannte, die auch schon einmal witziger waren: Die Steinbrüder.


Fazit

Bei Silence hatte ich durchweg das Gefühl, in einem Kinderfilm zu sein und mir den ansehen zu müssen, ob ich will oder nicht. Diese Atmosphäre wurde vor allem von der Kriegerin Kyra erzeugt. Insgesamt wirkte das Spiel, im Verbund mit der niedlich – knuffigen Grafik wie Kinderkram. Mir kam es vor, als wenn Daedalic nur ein Spiel produziert haben, weil sie mussten und nicht, weil sie wollten. TWW 1 ist so liebevoll gestaltet worden, dass Silence (TWW 2) dagegen nur wie beliebige Massenware wirkt. Auch die andauernden Ladebildschirme lassen das Spiel sehr unfertig aussehen.
Ein Adventure ist das Spiel jedenfalls nicht, sondern fällt eher unter Interactive Storytelling.

Noah und seine Schwester Rene.

Noah und seine Schwester Rene.

Rene muss sich entscheiden, welche Welt überlebt. Setzt sie den Splitter ein, sollte man unbedingt den Abspann abwarten.

Rene muss sich entscheiden, welche Welt überlebt. Setzt sie den Splitter ein, sollte man unbedingt den Abspann abwarten.

Nur ein Kind wird überleben. Welches, das hängt von Renes Entscheiung ab.

Nur ein Kind wird überleben. Welches, das hängt von Renes Entscheiung ab.

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