Gazâ ist neun Jahre alt, als er vom Beruf seines Vaters erfährt: Ahad ist Schleuser und Menschenhändler. Und Gazâ wird ihm ein eifriger Schüler. Gemeinsam nehmen sie die »Ware« entgegen, lagern sie im »Depot« im Garten zwischen und transportieren sie dann weiter zur Ägäisküste. Je älter Gazâ wird, umso professioneller geht er vor. Er führt Statistiken, dokumentiert akribisch das Verhalten der Flüchtlinge und stellt anthropologische Studien an. Gazâs Schicksal scheint sich erst zu wenden, als es zu einem Unfall kommt, bei dem sein Vater stirbt. Tagelang begraben unter einem Berg von Leichen überlebt Gazâ und flieht nach Istanbul. Er will Anthropologie studieren. Doch auf einmal bricht das Trauma auf. Gazâ ist außerstande, Menschen zu berühren. Nur allein oder in der Masse fühlt er sich noch sicher. Gelingt ein Leben ohne die Begegnung von Mensch zu Mensch?

Kurt Schwerdtfeger: Flüchtlingsfamilie (Gedenkstätte des Deutschen Ostens, Schloss Burg) (1)

Kurt Schwerdtfeger: Flüchtlingsfamilie (Gedenkstätte des Deutschen Ostens, Schloss Burg) (1)

Das Buch ist bei mir nicht an seiner Härte, sondern an seiner Erzählweise gescheitert. Ja, es ist schwer zu lesen, wenn der Erzähler als 10jähriger von Flüchtlingen missbraucht wird, und anfängt, mit 14 sich an deren Frauen zu vergehen. Wenn die Migranten durchgängig als Ware bezeichnet wird, welche zum Weitertransport im Depot untergebracht wird. Wenn geschildert wird, wie sich die Flüchtlinge im Warenlager versuchen umzubringen, weil sie unterschiedlichen Konfliktparteien angehören.
Ein Deutscher hätte mit einem solch ehrlichen Buch nie einen Verlag gefunden und es ist erstaunlich genug, dass das Buch überhaupt übersetzt worden ist. Zur vorgegebenen politischen Stimmungsmache in Deutschland passt es zumindest in Teilen nicht.

Das Problem lag für mich in der Erzählweise: Handlung / Gedanken und Telefongespräch werden auf einer zweigeteilten Seite geschildert, es gibt Interviews, Zeitsprünge und politische Analysen, zu denen ein 14jähriger noch har nicht in der Lage ist.

Fazit

Das Buch kombiniert eine harte Handlung mit einer wirren Erzählweise.

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

 Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe Originaltitel: Daha Originalverlag: Dogan Kitap Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 4 s/w Abbildungen ISBN: 978-3-442-75476-2 € 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 30,90* (* empfohlener Verkaufspreis) Verlag: btb

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Originaltitel: Daha
Originalverlag: Dogan Kitap
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 4 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-75476-2
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 30,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb

(1) Von Edgar Falkenhain – Edgar Falkenhain, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44735582

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