Christian Baron spricht aus eigener Erfahrung: Als Kind der Unterschicht – der Erste in seiner Familie mit Abitur dringt er in die akademische Welt und schließlich in linksliberale Kreise vor. In seinem Buch analysiert er anhand vieler Fallbeispiele, wie tief verwurzelt soziale Diskriminierung in unserer Gesellschaft quer durch alle politischen Lager ist und welche Folgen sie hat. Seine Hauptthese: Die neue »Arbeiterklasse« und die sich mitunter in ermüdenden Debatten verlierenden linken Kräfte täten gut daran, ihre Energien endlich zu bündeln und gegen Bildungsschranken, gesellschaftliche Benachteiligung und die beängstigenden rechten Tendenzen der Gegenwart ins Feld zu ziehen.

Carl Spitzweg: Der arme Poet

Carl Spitzweg: Der arme Poet

Ich bin über eine Amazon-Empfehlung von *Die Rückkehr nach Reims* auf dieses Buch und ganz ehrlich: Es kann *Die Rückkehr nach Reims* kein bißchen das Wasser reichen. Eigentlich ist die Verknüpfung bei Amazon bereits eine Beleidigung für das erstgenannte Buch.

Beide Bücher fangen ähnlich an, es werden die ärmlichen bis asozialen Verhältnisse geschildert und wie man sich daraus befreite. Damit enden die Ähnlichkeiten aber auch schon. Während Eribon reflektiert, auch über sich selbst, weigert sich Baron, den schlechten Stallgeruch abzulegen. Schluss war, als er Mittelstandskinder, *Die Hochnäsigen* nannte. Überhaupt ist das ganz Buch ein reines Hasspamphlet gegenüber denjenigen, die einen besseren Start ins Leben erwischt haben.

Er erinnert mich in seiner Ausdrucksart an meine Nachbarn, die Wörter wie *Arschloch*, *Blöde Kuh*, *Menschenähnliches Wesen* und Unzitierbareres für normale Ausdrücke halten und nicht verstehen können, warum gegen sie im Laufe der letzten Jahre 30-40 Strafverfahren wegen Beleidigung gestellt worden sind. (Nicht, dass sie die Klasse hätten, mich beleidigen zu können. Aber eine Antwort, und zwar auf meinem Niveau und nicht auf deren, muss eben doch sein.)

Spätestens hier wird klar, woher der Wüllenweber-Wind weht: er ist ein Nostalgiker, der sich in bester ordoliberaler Tradition nach echtem marktwirtschaftlichen Wettbewerb, nach einer sozialdarwinistischen Leistungsgerechtigkeit sehnt, und er verkündet dies im jammernden Ton eines Kleinkindes, dessen Lolli am harten Steinboden zerborsten ist. Dass dies Lolli namens Leistungsgerechtigkeit aber auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist, weil sein süßes Versprechen einer Konfrontation mit der kapitalistischen Realität mit ihrer Monopoltendenz nicht standhalten kann, kommt ihm nicht in seinen den marktwirtschaftlichen Wettbewerb zum Naturgesetz erhebenden Sinn.“ S.32

Liest sich das nach einem Sachbuch. Einem seriösen gar? Für mich nicht. Lollis, Hochnäsige, er fühlt sich minderwertig, wenn er Pommes Frites isst, und kein Gemüse. Das ganze Buch ist ein Abarbeiten an den Minderwertigkeitskomplexen des Autors und sein Hass auf diejenige, denen es besser geht. (Wobei ich wieder bei meinen *geliebten* Nachbarn wäre.)

Fazit

Wer etwas über die Entfremdung der Linken zur Arbeiterschaft (Für Baron sind dies übriges die asozialsten Teile der Hartz 4-Empfänger, ohne Warmwasser in den Wohnungen.) lesen möchte, dem sei *Rückkehr nach Reims* empfohlen. Dieses Hassbuch sollte man ignorieren.

Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik. 2012 erschien sein Buch »Faul, frech, dreist« (mit Britta Steinwachs). Baron ist Redakteur bei der Tageszeitung »Neues Deutschland«.

Taschenbuch: 288 Seiten Verlag: Das Neue Berlin; Auflage: 1 (26. Oktober 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3360013115 ISBN-13: 978-3360013118 Größe und/oder Gewicht: 12,3 x 2,7 x 20,8 cm Durchschnittliche Kundenbewertung:

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Das Neue Berlin; Auflage: 1 (26. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3360013115
ISBN-13: 978-3360013118
Größe und/oder Gewicht: 12,3 x 2,7 x 20,8 cm
Durchschnittliche Kundenbewertung:

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