Ernst Lossa (* 1. November 1929 in Augsburg; † 9. August 1944 in Irsee) war eine Halbwaise aus der Minderheit der Jenischen, die in der zweiten Phase der nationalsozialistischen Euthanasie, der Aktion Brandt, ermordet wurde und durch die Aufarbeitung dieses Mordes nach 1945 exemplarische Bekanntheit erlangte. Ernst wuchs in Kinderheimen auf und wurde in der Zweiganstalt Irsee der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee im Alter von 14 Jahren durch Injektion eines tödlichen Mittels ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ermittelten die US-Amerikaner Lossas Schicksal und vernahmen dazu auch mehrere Zeugen. Seine Krankengeschichte und seine Ermordung wurden dokumentarisch aufgearbeitet und zusammen mit den Zeugenaussagen als exemplarisches Beispiel in Strafprozessen zu Verbrechen des Nationalsozialismus verwendet. Wikipedia


„Wenn ich ihn nicht euthanasiert hätte“, sagte der Kaufbeurer Anstaltsdirektor Valentin Faltlhauser, zum Fall Ernst Lossa befragt, damals aus, „dann wäre er halt in eine andere Anstalt gekommen.“ Valentin Faltlhauser; Zitat aus Die Welt
Ernst Lossa im April 1942 bei der Einlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren (1)

Nachdem mich der Film *Nebel im August* sehr beeindruckt und berührt hat, wollte ich unbedingt das Buch dazu lesen, da der Film nur das letzte Lebensjahr des Ernst Lossa behandelt.

Hätte ich es bloß gelassen, und den Film in Erinnerung behalten! Denn ganz ehrlich: Wenn man so schlecht schreibt, wie der Autor es tut, dann sollte man darauf verzichten, auch nur einer Kurzgeschichte zu verfassen, geschweige denn ein ganzes Buch. Die auftretenden Charaktere *eindimensional* zu nennen, ist zu viel des Lobes, so platt wie sie beschrieben werden. Auch die Umgebungen kann man sich als Leser nicht vorstellen, weil der Autor es mit keinem Wort für nötig hält, sie zu beschreiben. Dafür fliegen die Dialoge nur so hin und her, als würde man ein Theaterstück lesen. Aber selbst im Theater werden einem mal die Gedankengänge mitgeteilt.

Ein Stolperstein in Irsee erinnert an Lossa (2)

Ich weiß gar nicht, was der Autor *jahrelang* recherchiert haben will (Klappentext), es sei denn, er hat pro Monat sich 2-3 Tage drangesetzt und so die Zeit gedehnt. Bei einer sorgfältigen Recherche würde ich erwarten, dass herausgearbeitet wird, wie die Personen zu ihren doch recht abenteuerlichen Vorstellungen kamen und ob sie wirklich hinter den *Erziehungsmethoden* standen. Dass es z.B. nicht förderlich ist, einer Bettnässerin ein Schild umzuhängen, auf welchem steht *Ich bin eine Bettnässerin* und sie so auf dem Hof auszustellen, müsste doch jedem klar sein.

Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren am 2. Juli 1945, als amerikanische Offiziere in die Anstalt kamen (3)

Und wenn das alles noch nicht schlimm genug ist, setzt der Autor mit seinem *tollen* Glossar dem Ganzen die Krone auf. Dass er Begriffe wie *Jenische* oder auch Begriffe aus dem Jenischen erklärt, ist vollkommen in Ordnung. Beleidigend gegenüber dem Leser wird es , wenn er *Adolf Hitler*, *Hitlergruß*. *Hitlerjungend* und *Konzentrationslager (KZ) meint erklären zu müssen.

Fazit

Wenn man den Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel gelesen hat, kennt man den Inhalt des ganzen Buches. Der ist sogar ansprechender geschrieben als das Buch. So einen durch und durch unbegabten Autor erlebt man selten – ich würde es mir verbitten, das so jemand eine Biographie über mich schreibt oder eine solche Biographie über mich erscheint. Den Film *Nebel im August* kann ich dagegen uneingeschränkt empfehlen.

Nach vielen journalistischen Texten erschien 2008 mein erster Roman „Nebel im August“. Das Buch wurde mehrfach ausgezeichnet, war unter anderem nominiert für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Die Lebensgeschichte von Ernst Lossa zieht nach wie vor die Menschen in ihren Bann. Viele tausend Schüler haben das Buch im Unterricht gelesen. Und ihre Eltern und Großeltern waren mindestens ebenso berührt vom Schicksal dieses Jungen. Er wird in eine Irrenanstalt der Nazis eingewiesen und bekommt mit, dass dort die Patienten ermordet werden. Er weiß, die Mörder im weißen Kittel sind gnadenlos. Dennoch fordert er sie mit seinen bescheidenen Mitteln heraus. Ein kleiner Junge. Ein großer Held. Eine wahre Geschichte. 2015 wurde der Roman unter der Regie von Kai Wessel fürs Kino verfilmt. Der Film wird 2016 ins Kino kommen. Amazon-Seite des Autors

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt (27. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570304752
ISBN-13: 978-3570304754
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren
Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 2,9 x 18,5 cm

(1) Von Archiv BKH Kaufbeuren – Krankenakte von Ernst Lossa, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16337378
(2) Von Robert Domes – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16337603
(3) Von Unbekannt – Holocaust Education & Archive Research Project Team, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8263509

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