Wussten Sie, dass in Iran … mehr Frauen als Männer studieren? Und dass nur jeder Zweite Persisch zur Muttersprache hat?

Iran ist trotz autoritärer Regierung in jüngerer Zeit zu einem modernen, dynamischen, weltoffenen Land geworden – viel weniger religiös, dafür pragmatischer und weiblicher als nach der Revolution von 1979. Diesem »neuen Iran«“ widmet Charlotte Wiedemann ihr großes Gesellschaftsportrait: von der großstädtischen Theaterszene zum schiitischen Volksislam, von der kurdischen Sufi-Zeremonie zum Sabbat in einer jüdischen Familie. Ein Alltag, in dem massenhaft gegen die Regeln des Regimes verstoßen wird; eine Zivilgesellschaft, die religiöse Ethik neu bestimmt.
Zugleich analysiert die Autorin das Weltbild der Iraner, ihren obsessiven Nationalstolz, die Iran eigene Mischung aus Hochmut und Komplexen und seine im Westen oft unverstandenen Ängste.

Blick über Teheran nach Norden ins Elburs-Gebirge (1)

Manchmal frage ich mich, warum mir die offensichtlichsten Dinge nicht auffallen. Wie z.B., dass viele Ländernamen und Regionen dort auf -stan enden, was *Heimat* bedeutet. Afghanistan heißt also *Heimat der Afghanen*, Kurdistan *Heimat der Kurden* usw..

Auch sonst erfährt man jenseits des offiziellen Bildes sehr viel über den Iran, sei es seine Geschichte, das Spannungsverhältnis zum Westen, welches sich in Alltagssituationen durchaus in Minderwertigkeitskomplexen äußert; aber auch über die Vielfältigkeit der iranischen Gesellschaft. Denn nur 50-60% der Iraner sind die Perser, an die man beim Iran denkt, der Rest sind Kurden, Aserbaidschaner, Araber, Afghanen…man kann durchaus von einem Vielvölkerstaat sprechen. Von der Vielfalt der Religionen wird nur das Judentum gestreift, und die Situation der Sunniten kurz angesprochen. Über die Christen und den Zoroastrismus erfährt man leider nichts.

Ich hatte während der Lektüre durchaus das Gefühl, den Iran besser kennenzulernen, und auch den Film *Nader und Simin* hätte ich wohl ohne das Buch nicht so gut verstanden.

Fazit

Das Buch ist sehr interessant, liest sich aber zäher als *Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben*.


Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin mit dem Schwerpunkt »Islamische Lebenswelten«. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht. Über Iran schrieb sie u.a. für die ›Zeit‹, ›Geo‹, ›NZZ‹ und ›Le Monde Diplomatique‹. Den Iran bereist sie seit 13 Jahren als Journalistin wie als Privatperson.

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (10. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423281243
ISBN-13: 978-3423281249
Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 2,8 x 21,7 cm

(1) Von Hansueli Krapf – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7065168

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