Von der frühesten Zeit an haben Christen versucht, den Leidensweg Jesu in Jerusalem zu lokalisieren. Durch welches Tor kam er in die Stadt? Wo fand der Prozess gegen ihn statt? An welcher Stelle wurde er gekreuzigt, wo begraben? Shimon Gibson, einer der erfahrensten Jerusalem-Archäologen, beschreibt anschaulich und anhand vieler Abbildungen, welche Geheimnisse er mit seinen Kollegen dem Boden der heiligen Stadt entlocken konnte und wie das jüdische Leben zu Zeiten Jesu aussah.

Jesus als Guter Hirte, frühchristliche Deckenmalerei in der Calixtus-Katakombe in Rom, um 250 (1)

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, gerade auch, weil es den Widerspruch zu dem aufdeckt, was in den Evangelien steht und was praktiziert wird. So hat den Verehrern, des Turiner Grabtuches und damit der katholischen Kirche, wohl noch niemand gesagt, dass Jesus laut den Schriften in zwei Grabtücher gehüllt wurde, und nicht nur in eines.

Auch setzt der Autor archäologische Funde und die Evangelien ins Verhältnis und erklärt die Geographie der damaligen Zeit genauso, wie die Riten. So wurde Pontius Pilatus in zeitgenössischen Schriften als ein brutaler Gewaltherrscher gebrandmarkt, was für die damalige Zeit schon etwas heißen möchte, während er in den Evangelien als ein einfühlsamer Mann geschildert wird, wahrscheinlich, um den Hass auf die Judenchristen und Juden zu verstärken. Auch das Waschen der Hände (in Unschuld) ist ein jüdischer Ritus.

Auch die Wunderheilungen lassen sich laut dem Autor durch komatöse Zustande und die heilenden Kräfte des Wasser des Toten Meeres erklären.

Dass Jesu Familie arm war, ist ebenfalls ins Reich der Legenden zu verweisen, eher dürfte sie durch ihren Beruf als Zimmermann / Steinmetz dem Mittelstand angehört haben. Auch die zahlreichen Reise zu verschiedenen religiösen Festen zeugen nicht gerade von Armut.

Fazit

Schade, dass kein weiteres Buch des Autos ins Deutsche übersetzt worden ist. Sehr gut wird mit möglicher Wirklichkeit, den Legenden des Evangeliums und des zurechtgezimmerten Glaubens aufgeräumt.

Shimon Gibson ist Senior Fellow des W.F.Albright Institute of Archaeological Research und Professor an der University of North Carolina. Seit mehr als dreißig Jahren forscht er als Archäologe in Israel und hat mehrere Jahre die Forschungsabteilung der Israelischen Altertümerverwaltung geleitet.

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. April 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423347317
ISBN-13: 978-3423347310
Originaltitel: The Final Days of Jesus. The Archaeological Evidence
Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 2 x 21,3 cm

(1) Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=509456

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