Kodjo lebt in Berlin, seit Jahren schon. Doch Spuren hinterlassen hat er nirgends. Seine Adresse wechselt so oft wie seine Gewohnheiten, Kodjos Tagesablauf wird von zwei Dingen bestimmt: Überleben. Nicht auffallen. Denn Kodjo ist illegal im Land.
Der junge Mann aus Ghana kennt sämtliche dunklen Ecken der Großstadt. Weiß genau, wie er der Polizei entgeht. Tut alles, um unsichtbar zu sein – und um unsichtbar zu bleiben.

Dann kommt der Tag, der alles verändert: Von einem Abrisshaus aus beobachtet Kodjo einen Mord. Sieht den Täter davonfahren. Kodjo reagiert wie gewohnt: Verstecken, sich in Luft auflösen. Warten, dass der Mörder gefasst wird.
Doch der hat ihn gesehen. Und schickt dem unbequemen Zeugen seine Männer hinterher. Kodjo wird gejagt. Und die Polizei sucht den Mordverdächtigen: Einen jungen schwarzen Mann.

Berlin-Kreuzberg – Görlitzer Park, Kuhle in der Mitte, mit freigelegtem und teilweise abgerissenem Fußgängertunnel unter dem ehemaligen Görlitzer Bahnhof (1)

Ich verstehe durchaus, dass CrimeNoir von dem Buch enttäuscht ist. Wer es als Krimi liest, wird wenig Freude an dem Buch haben, allerdings wurde es schließlich auch als Roman veröffentlicht. In der Handlung dient der beobachtete Mord nur als Aufhänger, um die Geschichte in Gang zu bringen.

Eigentlich geht es um die Schwierigkeiten eines Afrikaners, welcher durch eine Scheidung einen illegalen Aufenthaltsstatus hat. Wobei die Schwierigkeiten gegenüber der Realität sicherlich noch harmlos geschildert sind, spricht er doch sehr gut Deutsch und hat ein funktionierendes Umfeld, welches ihm eine Wohnung und eine geregelte Arbeit bietet.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, da es auf diese Parallelwelt aufmerksam macht. Teilweise verhalten sich die Figuren allerdings so unauffällig, dass es schon wieder auffällig ist. Das ist z.B. der Fall wenn zwei nachts an einer unbefahrenen Straße an einer roten Ampel stehen, nur um die Aufmerksamkeit der pausierenden Polizisten nicht auf sich zu ziehen.

Zuviel wurde es mir in der zweiten Hälfte, als eine nicht endende Hetzjagd auf Kodjo beginnt. Sie ist zwar sehr rasant und spannend geschrieben, aber letztendlich wirkte sie auf mich sehr unglaubwürdig.


Fazit

Die letzten ca. 20 Seiten zerstören den Roman ein wenig, auch wenn sie spannend geschrieben sind. Ansonsten deutet der Roman an, mit welchen Schwierigkeiten Illegale zu kämpfen haben.

Max Annas hat an einem Forschungsprojekt zu südafrikanischem Jazz an der University of Fort Hare in East London, Südafrika, gearbeitet und ist vor gut zwei Jahren nach Berlin zurückgekehrt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht zu Popkultur, Politik und Sport. Außerdem hat er bei verschiedenen Festivals als Filmkurator gearbeitet. In einem früheren Leben war er Journalist. Für seinen ersten Roman «Die Farm» erhielt Max Annas den deutschen Krimipreis. Sein Roman „Die Mauer“ stand zwei Monate auf Platz 1 der Krimi-Bestenliste der ZEIT und erhielt frenetischen Jubel von der Presse. 2017 wurde er mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Der Autor lebt in Berlin.

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 2 (10. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3498001019
ISBN-13: 978-3498001018
Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 2,3 x 21 cm

(1) Von Georg Slickers – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=336973

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