Eine Antwort auf Mindful reading – Gedanken über das Lesen und gleichzeitig eine Fortsetzung zu *Was mir bei Büchern wichtig ist*.

Doch in letzter Zeit wird immer öfter so getan, als ob es ganz gleichgültig wäre, WAS gelesen wird. Lesen ist mit einem SEHR WERTVOLL-Label ausgestattet, das uns immer öfter darüber hinwegsehen lässt, dass es da draußen auch eine Menge Schund gibt, der keinesfalls wert ist, gelesen zu werden. Denn er bildet nicht und trägt auch nicht zu einer besseren Kommunikation bei. Ganz im Gegenteil, man kann schon sagen, er verblödet. Denn für jeden dieser Trivialromane, wird ein gutes Buch weniger gelesen. Ein Leseslot mit etwas anderem als Literatur/guter Unterhaltung/Bildung/ gefüllt.

Wobei – schon klar – ganze viele Bücher sollen gar nicht bilden oder den Geist erheben. Sie sind … einfach nur zur Unterhaltung und Ablenkung gedacht.

Was mir nur noch in den seltensten Fällen ausreicht. Dazu muss ein Autor schon sehr gut sein, wie z.B. Robert Goddard. Wenn ich mir Rezensionen auf anderen Blogs, gerade zu Krimis durchlese, dann treffen deren Geschmäcker zu 90% nicht auf mich zu. Ich bin nicht schon dann dankbar, wenn, wie jemand es sinngemäß ausdrückte, ein Buch leidlich unterhaltsam ist. Wenn es schon ein Buch ohne inhaltlichen Anspruch ist, dann muss es schon sehr unterhaltsam oder gar spannend sein, damit ich meinen Spaß daran habe. Und da dies immer weniger der Fall ist, die Wahscheinlichkeit, dass mir ein vor 15-20 Jahren geschriebenes Buch gefällt ist wesentlich höher als bei aktuellen Büchern, rücke ich immer mehr vom Genre ab.

Trivialliteratur und Heft- und Groschenromane hat es immer gegeben. Leichte Unterhaltung, die nicht fordert, denn meist sind die Geschichten schablonenhaft einfach, voller Klischees und ohne intellektuelle oder psychologische Tiefe. Macht nichts. Jedem sein Vergnügen. Was lesen wir auf Buchblogs: „Wenn ich lese, will ich mein Gehirn abschalten.“ Und ja, mit vielen dieser Trivialromane kann man das ganz wunderbar.

Trivialliteratur – das war schon immer eine große Industrie. Autoren haben unter Pseudonym massenhaft sehr einfach gestrickte Geschichten produziert. Egal ob Krimi, Science Fiction oder Liebesromane, das ging schnell, denn es gab eine Schablone, ein Schema: Der reiche Arzt trifft die unschuldige Schwester, der reiche Geschäftsmann die naive Sekretärin. Und zwar immer und immer wieder. In dieser Art Geschichten ist weder echte Emanzipation vorgesehen noch Entwicklung. Und am Ende – steht jedes Mal das Happy End.

Wobei ich nicht gleichsetzen möchte, dass jeder, der Trivialliteratur liest, doof ist. Jemand, der einen stressigen Job hat – egal ob Manager oder Kassierer – hat oft einfach nicht mehr den Kopf für anspruchsvolle Literatur frei. Wenn man diese Bücher zur reinen Entspannung liest, sehe ich daran nichts Schlimmes.

Es ist, wie AngelTearz schreibt: Die Beine hoch legen oder in irgendeine Ecke kuscheln, vielleicht etwas leckeres zum Essen oder Trinken dazu und Buch aufklappen. Und lesen! Das kann ich stundenlang und es wird mir nicht langweilig. Denn Kopfkino ist einfach genial und nicht schwer.
Es entspannt die Augen mehr als auf einen Monitor zu schauen und es entspannt den Körper. Wenn ich richtig runterfahre und mich niemand stört, dann denkt sogar mein Fitbit, dass ich schlafe. Ich entspanne, der Herzschlag geht runter und der Körper kommt zu Ruhe.
Wäre nicht so, wenn ich in dem Moment nicht lesen würde.

Genau dies ist mir auch oft wichtig: In Ruhe unterhalten zu werden, kein Geplapper aus dem Fernsehen, Computer oder Hörspiel. Einfach absolute Ruhe. Nur allzu doof sollte es dann doch nicht werden.

Buchblogger

Sie sehen sich selbst als Botschafter des Buches. Sie sind schon deshalb gute und bessere Menschen, weil sie lesen. Sie haben Slogans und Merksprüche und jeder einzelne sagt: Wir sind keine Nerds, wir sind cool, denn wir lesen.

Ja, davon gibt es leider zuviele. Diese ganzen kulturell doch so hochwertigen Menschen, die komischerweise aber gleichzeitig die Blogger mit den höchsten Followerzahlen sind. Mich schrecken sie als Personen in ihrer Arroganz eher ab, aber ich habe es grundsätzlich gerne down to earth. Ich werde nie vergessen, wie eine Bloggerin in einer Diskussion einmal meinte, Computerspiele würden sie langweilen. Meine Frage, was sie denn bis jetzt gespielt habe, bekam ich nie eine Antwort. Dabei ist jedes Krimi-Adventure geistig fordender als einen Krimi zu lesen.

Viele sind Botschafter der Literatur und fördern das Lesen. Doch dieser Anteil wird immer kleiner.

Ich bin Botschafter von exakt niemanden, nicht einmal von mir selbst. Das hier ist ein Literaturtagebuch, und es steht jedem frei es zu lesen oder dies zu lassen.

Stattdessen tauchen immer mehr Buchblogger auf, für die ein Buch nicht anderes ist als ein neuer Nagellack, ein Kleidungsstück oder ein Cupcake. Etwas, das man auf jeden Fall in großer Anzahl besitzen muss, das einen besser aussehen lassen soll, das man schnell und mit Genuss verspeisen können möchte.

Schuldig im Sinne der Anklage. Ich fühle mich wohl in meinen Bücherwänden. Beim Aufräumen hat es mir ein durchaus wohliges Gefühl verschafft, zu sehen, was ich alles an tollen Büchern besitze.

Wer erinnert sich, dass Bücher als Kulturprodukte gelten und daher nur mit 7 % Mehrwertsteuer besteuert werden? Dieses Siegel haben der Großteil der Bücher aber schon lange nicht mehr verdient. Es ist keine Kultur, bloß weil Buch draufsteht. Im Gegenteil. Viele intelligente Apps und Computerspiele verdienen mittlerweile sehr viel eher das Prädikat Kultur und wertvoll.

Bingo. Wie ich schon schrieb: Es Krimi-Adventure ist fordernder als einen Krimi zu lesen.

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