Der Pottwal, König aller Weltmeere.

Keiner taucht tiefer, keiner ist lauter, keiner hat ein größeres Gehirn. Ob es die Rettung eines gestrandeten Wals ist, der durch Menschenhand geheilt und wieder in die Freiheit entlassen wird, oder der legendäre Moby Dick: Die Wucht seiner physischen Gestalt, sein ebenso schnelles
Auftauchen wie Verschwinden inspiriert Schriftsteller und fasziniert die Menschheit. Insbesondere die Forscher.

Pottwalhaut mit Narben von Tintenfischsaugnäpfen (1)

Eine Vormerkung: Was mich wirklich empfindlich gestört hat, war die konsequente Verwechslung von *anscheinend* und *scheinbar*. Dem Autor mache ich keinen Vorwurf, da er ursprünglich nicht deutschsprachig ist, aber dem Lektor hätte es schon einmal auffallen können, dass *scheinbar* durchgehend falsch verwendet wird.

Gebiete mit starken Pottwalvorkommen (schwarz). (2)

Das Erste, was auffällt, wenn man das Buch aufschlägt, ist die angenehm große Schrift. Erzählt wird die fiktive Biographie des Pottwals Physty stellvertretend für alle (männlichen) Pottwale. Dabei menschelt es für meinen Geschmack ein wenig sehr, auch wenn diese Tiere sehr intelligent und sozial sind.

In Einschüben werden immer wieder Fakten zur Forschung und dem Leben der Wale eingeschoben. Dazu gehört leider auch, dass sie vor lauter Plastikabfall im Magen regelgerecht verhungern, sich in (in der EU illegalen) Fangnetzen verheddern und von Schiffen überfahren werden. Auch Kleinigkeiten, wie dass die Mittelmeer-Population vermutlich von einer einzigen Kuh abstammt, werden nebenbei vermittelt.

Fazit

Ein sehr informatives und angenehm zu lesendes Buch. Nur der falsche Sprachgebrauch hat mich aufgeregt. Vor allem aber hat mich das Buch über das eigene Konsumverhalten nachdenklich werden lassen: Muss es wirklich unbedingt Thunfisch-Sushi sein?


Kurt de Swaaf, geboren 1963 in den Niederlanden, ist Biologe und Wissenschaftsjournalist. Er studierte in Heidelberg mit den Schwerpunkten Gewässerökologie und Meeresbiologie. Er schreibt für Terra Mater, die Neue Zürcher Zeitung und den Standard.

Verlagsseite

Remembering Physty the whale’s Long Island rescue

Physty and the Whale Doctor: A Little Love, a Lot of Penicillin

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Benevento; Auflage: 1. Aufl. (23. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3710900190
ISBN-13: 978-3710900198
Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 2,5 x 21,8 cm

(1) Von NASA – „The Depths of the Ocean: A General Account of the Modern Science of Oceanography Based Largely on the Scientific Researches of the Norwegian Steamer ‚Michael Sars‘ in the North Atlantic“, by Murray, J. and J. Hjort. Publisher „Macmillan and Co., Ltd.“ in „1912“. 821 pages: Biodiversity Heritage Library, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33881
(2) Von Kurzon – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25241802

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