In den 1920ern hatten nicht die Bewohner von New York oder Paris das höchste Pro-Kopf-Einkommen: die reichsten Menschen der Welt waren die Osage-Indianer im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Das karge Land, das ihnen als Reservat zugewiesen worden war, barg gigantische Ölvorkommen, die ihnen ein Leben in ungeahntem Luxus ermöglichten. Doch der Reichtum brachte den Osage kein Glück: Eine mysteriöse Serie von Morden nahm ihren Anfang, der schließlich mehr als 300 Stammesmitglieder zum Opfer fallen sollten – sie wurden vergiftet, erschlagen oder erschossen.

Die Osage-Morde wurden zum ersten großen Fall für das noch junge FBI. Doch Korruption und Geldgier hatten auch hier bereits Einzug gehalten. Erst einer Gruppe von Undercover-Agenten gelingt es schließlich, diese wohl finsterste und spektakulärste Mordserie in der Geschichte der USA aufzuklären.

US-Präsident Calvin Coolidge mit vier Osage-Indianern nach der Unterzeichnung des Indian Citizenship Act (1924) (1)

Das erste, was man bei der Lektüre dieses Buches bemerkt ist, dass sehr viele Personen an den Fällen beteiligt sind. Eigentlich müsste man das Buch glatt ein zweites Mal lesen, weil viele Informationen an einem vorbeigehen, bis man erst einmal sortiert hat, wer wer ist.

Das Buch ist dreigeteilt, erst wird die Geschichte der ermordeten Osage-Frauen erzählt, dann die der Geschichten und danach erzählt Grann von seinen eigenen Forschungen. Für den Leser, der diese nachvollziehen möchte, gibt es hinten ein Register der Akten.

Die Ermittlungsarbeiten des FBI-Vorläufers werden sehr spannend dargestellt und man erfährt sehr viel darüber, wie die Osage damals lebten; dass sie z.B. Vormunde brauchten, welche sie nicht selten um ihr Geld betrogen. Fast bestürzender als die Morde ist das Umfeld, in welchem sie zustande kamen.

Fazit

Das Buch eröffnet einen Blick auf eine nicht ganz so bekannte Episode amerikanischer Geschichte. Ein Verfilmung mit Scorsese, DiCaprio und De Niro ist angedacht.


DAVID GRANN, Jahrgang1967 ist preisgekrönter Journalist und Sachbuchautor. Er arbeitet als Redakteur bei The New Yorker und veröffentlicht Artikel u.a. in The Washington Post, The Atlantic Monthly, The Wall Street Journal.

Verlagsseite

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Henning Dedekind
Originaltitel: Killers of the Flower Moon
Originalverlag: Simon & Schuster
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
Mit zahlreichen s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-75726-8
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb

(1) National Photo Company Collection – http://www.nebraskastudies.org/0700/stories/0701_0146.html. Large size version from Library of Congress, National Photo Company Collection, LC-USZ62-111409 Dieses Bild ist unter der digitalen ID cph.3c11409 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar. Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich.

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