1839: Nachdem China den vornehmlich von den Briten und deren Kolonien betriebenen Handel mit Opium nicht mehr dulden will, erklärt ihm Großbritannien den Krieg. Die Hind ist eines der Schiffe, die bei einem Angriff zum Einsatz kommen sollen, und segelt zu diesem Zweck von Bombay nach China. An Bord ist unter anderem Kesri Singh, ein Kommandant der britisch-ostindischen Armee, der eine Kompanie Soldaten befehligt; außerdem Zachary Reid, ein verarmter junger Seemann, der auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe ist, und Shirin Moddie, die in China die Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes, eines Opiumhändlers, an sich nehmen will. Sie alle geraten schon bald in die Wirren der Opiumkriege, die in Chinas verheerender Niederlage und in der Annektierung Hongkongs durch Großbritannien enden werden.

Eine vor Atmosphäre und Detailfreude flirrende, spannende und berührende Geschichte vor der Kulisse Indiens und Chinas, mit der Amitav Ghosh sein großes historisches Panorama über die Opiumkriege, die eine frühe Ära der Globalisierung markieren, fulminant vollendet.

Bereits auf den ersten Seiten wird klar: Das Buch benötigt reichlich Vorkenntnisse. Sowohl in indisch-britischer Geschichte, gleich auf der ersten Seite findet sich der Satz *Dass ein ganzer paltan des 25. Regiments der Bengal Native Infantry -der berühmten Pachisi – durch ihre Reisfelder marschierte – war wahrscheinlich der größte tamsasha, den die meisten hier in einem Jahr oder gar Jahrzehnt erleben würden*. (Die vermutlich falsche Groß-/Kleinschreibung habe ich übernommen.) An dem Beispiel fällt auf jeden Fall eines auf: Es gibt eine Menge Fremdwörter, welche zwar am Buchende übersetzt werden, aber den Lesefluss hemmen.

Auf der anderen Seite wird vorrausgesetzt, dass man die Figuren aus *Das mohnrote Meer* (2009) und *Der rauchblaue Fluss* (2014) kennt. Eigenführt werden sie nicht groß erneut, was bei den vielen Protagonisten und ihren komplexen Beziehungen untereinander eine Zumutung ist.

Fazit

Wer das Buch lesen möchte braucht Zeit – viel Zeit. Er sollte nämlich die Vorgänger zuvor zeitnah lesen.

Amitav Ghosh wurde 1956 in Kalkutta geboren und studierte Geschichte und Sozialanthropologie in Neu-Delhi. Nach seiner Promotion in Oxford unterrichtete er an verschiedenen Universitäten. Mit Der Glaspalast (Blessing, 2000) gelang dem schon vielfach ausgezeichneten Autor weltweit der große Durchbruch. 2006 legte er den Essayband Zeiten des Glücks im Unglück (Blessing) vor. Zuletzt erschien seine Romantrilogie Das mohnrote Meer (2008), Der rauchblaue Fluss (2012) und Die Flut des Feuers (2016) bei Blessing. Ghosh lebt in Indien und den USA.

Rudolf Hermstein, geb. 1940, studierte Sprachen in Germersheim und ist der Übersetzer von u.a. William Faulkner, Allan Gurganus, Doris Lessing, Robert M. Pirsig und Gore Vidal. Er wurde mit dem Literaturstipendium der Stadt München sowie mehrfach mit Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet.

Gebundene Ausgabe: 864 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag (14. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3896673610
ISBN-13: 978-3896673619
Originaltitel: Flood of Fire
Größe und/oder Gewicht: 15,2 x 5,8 x 22,3 cm

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