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Furios erzählt Karine Tuil von Menschen, die getrieben sind von dem Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht – und beinah tragisch daran scheitern. Ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit.

Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn – dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat.

Komplettes 360° Panorama (nahtlos) von Paris, aufgenommen von der obersten Aussichtsplattform des Eiffelturms aus. (1)

Wenn ich Jahresrückblicke veröffentlichte, dann wäre *Die Zeit der Ruhelosen* der Anwärter für das beste Buch 2017.
An dem Buch stimmt einfach alles: Die Erzählweise, die Figuren, die Handlung.

Grob werden die Geschichten von drei Personen mit einander verknüpft: Die des Unternehmers Vely, der nie etwas anderes kennengelernt hat, als das Leben der französischen Oberschicht, welcher die jüdische Herkunft seiner Familie krampfhaft verleugnet und der mit den Rejudarisierungsversuchen seines Sohnes so gar nicht klar kommt. Die des Schwarzen Osman Diboula, der von der Regierung benutzt wird, um Diversität zu heucheln, welcher aus einfachsten Verhältnissen samt zweifelhaften Freunden stammt. Und die des Soldaten Romain Roller, welcher aus dem selben Viertel wie Diboula stammt und gebrochen aus Afghanistan heimkehrt. Alle diese Charaktere sind über Nebenfiguren und Ereignisse miteinander verknüpft.

Bei allen Unterschieden haben alle Figuren etwas gemeinsam: Letztendlich können sie ihrer Herkunft und ihrer Klasse mit allen Konsequenzen nicht entkommen, alle sind sie getrieben nach der Gier nach Anerkennung.
Hat man den Einstieg in das Buch gefunden, kann man es kaum noch aus der Hand legen.

Fazit

Überragend.

Karine Tuil, geboren 1972, studierte Jura in Paris und beschäftigt sich derzeit in ihrer Doktorarbeit mit gesetzlichen Bestimmungen zu Wahlkampfkampagnen in den Medien. Sie ist Autorin mehrerer gefeierter Romane und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Paris.

Maja Ueberle-Pfaff übersetzt aus dem Englischen und Französischen und hat u.a. Werke von Mark Twain, Jules Verne, Alice Walker, Shimon Peres, Ingrid Betancourt und zuletzt Karine Tuil ins Deutsche übertragen.

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Ullstein Hardcover (10. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3550081758
ISBN-13: 978-3550081750
Originaltitel: L’Insouciance
Größe und/oder Gewicht: 13,8 x 5,1 x 22 cm

(1) Von Armin Hornung – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17970568

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