Spoiler

Massachusetts 1842: Die 15-jährige Polly zündet die heimische Farm an, ihr brutaler Vater kommt in den Flammen um. Polly und ihr Bruder müssen fliehen und finden Zuflucht in einer Shaker Gruppe. In dieser religiösen Gemeinschaft mit strengen Regeln wähnt sich Polly sicher vor den Nachstellungen des Privatdetektivs Simon Pryor, der den Fall aufklären soll. In der jungen Shaker-Schwester Charity findet sie eine Freundin und Verbündete. Doch als Polly sich in den Augen der Gemeinschaft als „Seherin“ erweist, als eine Auserwählte mit mystischen Visionen, beobachtet man sie auch hier mehr als genau. Wird Polly unter diesen Umständen weiter ihre wahre Geschichte verheimlichen können?

Schütteltanz der Shaker, Radierung, ca. 1840

Bei Amazon hat das Buch ziemlich schlechte Bewertungen, was mich wundert. Vielleicht, weil es kein Emanzenroman ist, welcher in der Vergangenheit angesiedelt ist. Ganz im Gegenteil, der Aufbau folgt einem klassischen Western, in welchem die Frauen geschunden sind und die Hilfe eines Mannes brauchen. In diesem Fall die des Brandermittlers Simon Pryor.

Die Familie flieht nach einem Brand zu den Shakern, genauer gesagt gibt die Mutter die Kinder dort ab und verlässt sie. Ziemlich genau werden die Eigenheiten dieser recht befremdlichen und extrem lustfeindlichen Sekte geschildert und das Leben auf dem Hof.

Währenddessen verelendet die Mutter immer weiter und wird als Herumtreiberin irgendwann versteigert. Das fand ich insofern interessant, als dass ich nicht wusste, dass es solche Auktionen gegeben hat.

Der Brandermittler deckt nach und nach das Unrecht auf, welches der Familie wiederverfahren ist, und beschließt, ihnen zu helfen. Vor allem, da er mit seinem Auftraggeber selbst noch ein Hühnchen zu rupfen hat.

Große Literatur ist *Das zweite Gesicht* sicherlich nicht, aber das sind Histo-Romane eher selten. Im Gegensatz zu dem auf dem Markt üblichen Schund, sind die Charaktere als auch die Handlung glaubwürdig.

Fazit

Sicherlich kein gängiger Histo-Roman, dafür aber ein glaubwürdiger.

Rachel Urquhart ist Journalistin und Autorin, sie schreibt u.a. für The New Yorker, Elle, New York Times und Vogue. „Das zweite Gesicht“ ist ihr Romandebüt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Brooklyn.

Almuth Carstens, 1948 in Kiel geboren, hat u. a. Soziologie studiert und lebte längere Zeit in Amerika. Sie ist Übersetzerin von u. a. Kathy Acker, Jane Rogers, Alice Sebold und Jeff Talarigo. Sie lebt heute in Berlin.

Verlagsseite

Aus dem Englischen von Almuth Carstens
Originaltitel: The Visionist
Originalverlag: Simon & Schuster
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71482-7
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb

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