Elisabeth ist Waise. Sie ist zwölf Jahre alt, als sich die Mutter beim Anblick ihres davonfahrenden Liebhabers erschießt. Sie wird zwischen Tanten und Bekannten hin und her geschoben und landet schließlich bei dem ehemaligen Geliebten ihrer Mutter. Hier erfährt sie die Macht der spirituellen und der sexuellen Verführung… Präzise und fesselnd beschreibt Green die Wirkung des Rätselhaften und Unheimlichen auf die Seele eines jungen Menschen.

Haunted House — Thomas Moran

Das Buch war derartig seltsam, dass ich andere Rezensionen gesucht habe, um einen Denkanstoß für meine Rezension zu bekommen. Ich fand zwei, eine auf Amazon.com und eine bei Dieter Wunderlich, welche zu dem Buch jenseits einer Inhaltsangabe auch nicht viel zu sagen wussten.

Die ersten beiden Teile des Buches sind klassisch und würde jeden Bronte – Leser entzücken: Der erste Teil schildert den Selbstmord der Mutter, wie die kleine Elisabeth zwischen den Tanten herumgestoßen wird, eine sperrt sie in eine unheimliche Kammer, sodass sie aus dem Haushalt flieht.

Der zweite Teil beschreibt ihr Leben ein paar Jahre später bei einem Schulverwalterehepaar. Von dort wird sie von einem gewissen Agnel abgeholt und der dritte Teil beginnt.

Der dritte Teil ist…seltsam. Die Verhältnisse der Personen untereinander sind lange unklar, alle haben massive Probleme. Die Handlungsweisen und – anordungen sind undurchschaubar, warum muss der eine in Galoschen durchs Haus schleichen, während der andere mit massiven Holzschuhen durchs Haus trampeln muss. Warum bekommt Elisabeth die Warnung zugesteckt, sie solle fliehen, und wovor? Woher kommen die ständig neuen Bewohner, die Elisabeth entdeckt? Fragen, die leider nicht beantwortet werden.
Um alles noch rätselhafter zu machen, bedeutet Font Froide, der Name des Schlosses, *Kalter Schriftzug* (Quelle: Google Translate), der Name Agnel, könnte eine Anspielung auf Angel sein.

Green hat es auf eine merkwürdige Art und Weise geschafft, mich zu fesseln, obwohl ich mich für die Heldin so gar nicht erwärmen konnte. Zu schnell werden die beiden ersten Bücher abgehandelt, zu wirr und merkwürdig war das dritte. Zwar erfährt man die Angst der Protagonistin vor den flackernden Schatten an der Wand hautnah mit, kann sie auch nachvollziehen, aber der distanzierte Schreibstil hat mich davon abgehalten, mitzufühlen. Dazu kommt, dass man für die ganzen Merkwürdigkeiten eine Erklärung erwartet, aber keine geliefert wird.

Fazit

Surreal.

Der 1900 als Sohn amerikanischer Eltern in Paris geborene Julien Green, der seit seiner Kindheit in Paris lebt, französisch schreibt und Mitglied der Académie Française ist, hatte seit Erscheinen seines ersten Buches, 1926, auch in Deutschland enthusiastische Leser wie Walter Benjamin, Klaus Mann und Hermann Kesten. Seine Bücher sind geprägt von Leidenschaft und Askese, atmosphärisch dichter Beschreibung und psychologischem Scharfblick.

Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
Verlag: Carl Hanser; Auflage: 3 (23. Juli 1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446194827
ISBN-13: 978-3446194823

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