Ein hoch angesehener britischer Autor kehrt in das herrlich gelegene Hotel in den japanischen Bergen zurück, wo er einst einen wundervollen Winter verbrachte, frisch verliebt in das Zimmermädchen Sumiko. Hier hatte er seinen ersten Bestseller geschrieben, in dem er Amerika bezichtigte, die entsetzlichen Folgen der Bombardierung Tokios und der nuklearen Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki zu verdrängen. Während sein Vorleben Stück für Stück sichtbar wird – sein Japanologie-Studium in London, seine Beziehung zu einer berühmten amerikanischen Künstlerin –, zeigt sich jedoch, dass auch er Schuld auf sich geladen hat und vor vergangenen Ereignissen auf der Flucht ist, die ihn nun unaufhaltsam einholen. Mit seinem komplexen, kunstvoll aufgebauten Roman gelingt J. David Simons das seltene Kunststück, eine bewegende Liebesgeschichte mit einer historisch-politischen Ebene und Fragen nach Kunst und Wahrheit vor einem betörend-exotischen Setting zu kombinieren, das durch einen schrecklichen Krieg fast ausgelöscht wurde.

(1)

Es passiert selten, dass ich während des Lesens zum Computer laufe, um nachzusehen, ob vom Autor weitere Bücher auf Deutsch erschienen sind. Leider ist dies nicht der Fall, denn *Ein feines Gespür für Schönheit* hat mich gleichermaßen berührt und unterhalten.

Es geht nicht nur um zwei Liebesgeschichten, zwischen dem Autor und einer späteren amerikanischen Künstlerin, sowie zwischen ihm und einer japanischen Hotelangestellten. Es geht vor allem darum, wie ein Buch geschrieben wird, wie die eigene Biografie und das politische Geschehen das künstlerische Schaffen beeinflusst.

Erzählt wird auf der ersten Erzählebene einmal die Entwicklung und Entstehung des Autors in den 50er Jahren, seine Inspirationen, aber auch seine Beziehung zu einer in London lebenden Amerikanerin, welche ihrerseits einen Reifungsprozess zu einer anerkannten Künstlerin durchläuft. Auch bei ihr wird sorgfältig geschildert, wie die Kunsttrends ihr Schaffen beeinflusst, bis sie einen eigenen Stil findet.

Die zweite Liebesgeschichte zwischen dem Autor geht es um seine Beziehung zu Sumiko, und wie diese ihn auf die Idee zu seinem Roman *Das Wasserrad* bringt, welcher ihn weltberühmt machen wird. Auch die Wechselbeziehungen zur amerikanischen Kriegsvergangenheit, die Schuldverleugnung im Krieg und seiner Kunst spielen eine Rolle.
Die zweite Erzählebene spielt 2003, dass die vorige besprochen Verleugnung nach wie vor nicht überwunden ist, aber auch um das Wiedertreffen mit Sumiko.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Figuren sind sorgfältig ausgearbeitet.

Fazit

Das nächste Buch des Autors lese ich auf jeden Fall.

J. David Simons, Jahrgang 1953, zählt zu den herausragenden Autoren Schottlands. Der gelernte Rechtsanwalt lebte in den 70er-Jahren in einem Kibbuz in Israel und arbeitete später als Dozent an der Keiō University in Japan. Er ist Autor zahlreicher Romane, Kurzgeschichten und Essays. Mit seinem Debütroman „The Credit Draper“ gelang ihm 2009 der Sprung auf die Shortlist des renommierten McKitterick Prize. Im kommenden Jahr wird sein neuester Roman „A Woman of Integrity“ im Europa Verlag erscheinen. J. David Simons lebt und schreibt in Glasgow.

Gebundene Ausgabe: 379 Seiten
Verlag: Europa Verlag; Auflage: 1 (26. Juli 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3958900763
ISBN-13: 978-3958900769
Größe und/oder Gewicht: 13,9 x 3,8 x 22,1 cm

(1) Von Gustav Broennimann – Eigenes Werk (photo), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15496304

Advertisements