Ngugi wa Thiong’os liebevolle Mutter ist es, die dem Heranwachsenden nach dem Zerwürfnis mit dem Vater Geborgenheit bietet und den Boden für seine Träume bereitet. Sie schließen einen Pakt: Sie ermöglicht ihm den Schulbesuch, er verspricht im Gegenzug, immer sein Bestes zu geben – für N’gugi ein Leichtes. Wirklich schwer ist, zwischen Tradition und Moderne den eigenen Weg zu finden. Geboren im Kenia der 30er Jahre, wächst Ngugi im Schatten des Zweiten Weltkriegs auf, unter britischer Kolonialherrschaft und der entstehenden Mau-Mau-Befreiungsbewegung. Ngugi wa Thiong’os Erinnerungsbuch liest sich dabei wie ein Roman über das Erwachsenwerden fesselnd, zärtlich, schockierend und bisweilen komisch.

Kaffeepflückerin auf einer „weißen“ Farm im zentralen Hochland Kenias, 1936 (1)

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da das Subjekt des kenianischen Unabhängigkeitskrieges doch sehr fremd ist. Am einfachsten zu lesen sind die Berichte aus dem Familienleben, im Zentrum stehen die verschiedenen Mütter und der Konflikt der biologischen Mütter mit dem Vater, sowie der Niedergang der Familie; sowie die Erzählungen aus der Schule. Diese Geschichten sind universell und kommen in jeder Gesellschaft vor.

Schwierig sind die geschichtlichen Passagen, über den Blutzoll der afrikanischen Truppen in Asien und wie die Briten ihnen dies mit brutaler Unterdrückung, der Autor verwendet oft den Begriff *KZ* für die Lager, wobei allerdings wobei dabei die Concentration Camps wie im Buren – Krieg gemeint sein dürften.

Obwohl es sich um eine Autobiographie handelt, steht nicht der Junge im Mittelpunkt, sondern die Welt, vor allem das Dorf, um ihn herum.


Fazit

Das Buch war schon sehr anstrengend zu lesen, aber informativ ist es allemal.

Ngugi wa Thiong’o wurde 1938 als Sohn einer traditionellen Bauernfamilie in Kenia geboren. Nach dem Besuch einer Missionsschule studierte er am Makerere University College in Kampala, Uganda, und an der University of Leeds in Großbritannien. 1977 wurde er wegen eines Theaterstücks in Kenia verhaftet und ohne Anklage für ein Jahr inhaftiert. 1982 musste er sein Heimatland verlassen, ging zunächst ins Exil nach London und schließlich in die USA. Mit seinem umfangreichen Romanwerk und politischen Essays zählt er heute zu den bedeutendsten Schriftstellern Afrikas. Ngugi wa Thiong’o lebt in Kalifornien, wo er an der University of California in Irvine lehrt.
Im Fischer Taschenbuch Verlag liegen vor: ›Träume in Zeiten des Krieges‹, ›Im Haus des Hüters‹ und ›Herr der Krähen‹.

Träume in Zeiten des Krieges: Eine Kindheit
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596192331
ISBN-13: 978-3596192335
Originaltitel: Träume in Zeiten des Krieges
Größe und/oder Gewicht: 12,4 x 1,4 x 18,9 cm

(1) Von Matson Photo Service – G. Eric and Edith Matson Photograph Collection, Library of Congress, Reproduction Number: LC-DIG-matpc-00388, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11266879

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