Istanbul, die unbezähmbare Stadt zwischen zwei Kontinenten. Ein magischer Ort, wo Geschichte geschrieben wurde und sich noch heute unzählige Geschichten ineinander verweben. Kaum einer kennt ihn so gut wie Nevzat, Oberinspektor des Morddezernats. Und kaum einer leidet an ihm wie er, dessen Frau und Tochter dort Opfer eines Verbrechens wurden. Und doch wird er hinzugezogen, als an der Atatürk-Statue eine Leiche gefunden wird. Das Opfer, Professor für Kunstgeschichte, war anerkannt in Istanbuls intellektuellen Kreisen. Ebenso wie seine Exfrau Leyla, Museumsdirektorin im legendären Topkapı Palast. Kurz darauf wird eine zweite Leiche gefunden. Wieder an einem von Istanbuls Wahrzeichen. Und die Serie reißt nicht ab. Sieben Leichen an sieben historischen Stätten – und nur ein einziger Faden scheint die Fälle miteinander zu verbinden: die jahrtausendealte Geschichte einer der geheimnisvollsten und faszinierendsten Städte der Welt …

Luftaufnahme des Goldenen Horns – Halic Istanbul (1)

Ich hatte einen Krimi (!) wie von Donna Leon spielend erwartet, ein wenig Krimi mit ganz viel Lokalkolorit. Leider war er eher Lokalkolorit und Liebesgeschichte, mit ein ganz klein wenig Krimi.

Um die Toten ging es bis Seite 160, danach habe ich entnervt abgebrochen, so gut wie gar nicht. Es werden zwar ein paar Angehörige verhört, deren Funktion allerdings weniger darauf liegt, etwas über den Verstorbenen zu erfahren, als vielmehr über die Probleme von Archäologen und Historikern in der Stadt.

Dazu kommt eine Liebesgeschichte, in welcher man wiederum nichts über die aktuelle Partnerin erfährt, der romantische Abend dient dazu den Leser darüber zu informieren, dass die Frau und die Tochter des Ermittlers bei einem Attentat gestorben sind. Ansonsten bleibt der Ermittler dem Leser komplett fremd, man erfährt nicht seinen Namen, auch nicht, was in ihm vorgeht. Seine Kollegen kennt man nach kurzer Zeit wesentlich besser.

Für das Lokalkolorit sorgt unter anderem ein angefahrener Straßenhund, dessen Behandlung beim Tierarzt breit ausgewalzt wird, bis glücklicherweise die zweite Leiche gefunden wird und der Hauptkommissar aus der Tierarztpraxis hin zum Tatort muss.

Fazit

Es wird wirklich jede Nebensächlichkeit in epischer Breite abgehandelt, nur vom Krimi bekommt der Leser recht wenig mit. Würde man alles außerhalb der Krimihandlung raus kürzen, hätte man vielleicht noch ein Buch von 200 Seiten.

Ahmet Ümit wurde 1960 in Gaziantep im Südosten der Türkei geboren. Von 1974 bis 1989 war er aktives Mitglied der Türkischen Kommunistischen Partei. In den Achtzigerjahren schrieb er nicht nur seine ersten literarischen Texte, sondern studierte auch an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Moskau, was zu jener Zeit nach türkischem Recht illegal war. Während der Militärdiktatur von 1980–1990 war Ahmet Ümit im Untergrund aktiv und musste zeitweise selbst untertauchen. Zwar blieb er seinen linken Überzeugungen treu, doch die autoritären Züge der Kommunistischen Partei sah er kritisch. Er zog sich aus der aktiven Politik zurück und konzentrierte sich aufs Schreiben. Ahmet Ümit gilt als einer der Wegbereiter des Kriminalromans in der Türkei. Nebenbei schreibt er Drehbücher für TV-Krimiserien. Ahmet Ümit ist einer der meistgelesenen Autoren in der Türkei, einige seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

Die Gärten von Istanbul
Broschiert: 736 Seiten
Verlag: btb Verlag (11. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344271513X
ISBN-13: 978-3442715138
Originaltitel: Istanbul Hatirasi
Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 4,3 x 20,9 cm

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