Szenen der Jugend: im Mittelpunkt Nick Jenkins, Eton-Absolvent, und seine education sentimentale. Freunde, Widersacher, Professoren, Damen verschiedenster Couleur und Herkunft – ein paar Seiten genügen, und wir wollen alles wissen über diesen Jenkins, seine Collegefreunde und ihre Reise ins Innere einer Gesellschaft, die den Verlust des Empire auf denkbar exzentrische Weise zu kompensieren vermag.

Band 1 von Anthony Powells 12-bändigem Hauptwerk ›Ein Tanz zur Musik der Zeit‹: ein britisches Gesellschaftspanorama ungekannter Größe – ein vergessenes Juwel, epochal an Umfang und Könnerschaft. Powell zeichnet darin ein facettenreiches Bild der englischen Upperclass vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der 60er-Jahre: ein unvergleichlicher Reichtum an faszinierenden Charakteren, Begebenheiten und tiefen Einsichten in die Natur des Menschen. Ein Meisterwerk voll süffisanter Pointen, leichtfüßiger Erzählpirouetten und liebevoll-beißender Ironie.

Nordseite des Eton-Colleges mit dem Provost’s Garden (1)

Auch wenn *Eine Frage der Erziehung* mich nicht gerade umgeworfen hat, werde ich den 12bändigen Zyklus wohl doch weiterverfolgen. Ich vermute allerdings, dass die Lektüre erst so richtig Sinn gibt, wenn alle Bücher in deutscher Übersetzung vorliegen.

Beschrieben wird eine sehr oberflächliche Welt, in welcher sich die Beziehungen untereinander nach Status und Vermögen aufteilen; so ist das Gesprächsthema über Kommilitonen eher ihr Finanzstatus und ihre Herkunft als die Person an sich. Merkwürdig ist, dass man über Jenkins, den ich-Erzähler, von allen Personen im Buch am wenigsten erfährt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, wer Angst vor Klassikern hat, braucht sie hier nicht zu haben: Das Buch lässt sich wirklich leicht lesen. Allerdings fehlt ihm auch eine Vielschichtigkeit und verschiedene Ebenen.

Fazit

Sehr britisch, teilweise schon fast zu britisch, um die Denkweisen der Charaktere zu verstehen.

Anthony Powell (1905 – 2000) besuchte das Eton College, studierte in Oxford und heiratete eine Adlige. Er arbeitete als Verlagslektor, schrieb Drehbücher und Beiträge für britische Tageszeitungen, leitete den Literaturteil des Magazins „Punch“ und war Autor zahlreicher Romane. Während seine Zeitgenossen und Freunde Evelyn Waugh, Graham Greene und George Orwell sich auch im deutschsprachigen Raum bis heute großer Popularität erfreuen, ist Anthony Powell hierzulande noch nahezu unbekannt.

Eine Frage der Erziehung
Broschiert: 264 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423145943
ISBN-13: 978-3423145947
Originaltitel: A Question of Upbringing

(1) Von Martin Kraft – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38481359

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