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Afrika im goldenen Zeitalter – das sind die verschollenen acht Jahrhunderte von den nubischen Königreichen bis zu jenem Tag im Jahr 1498, an dem die Karavelle von Vasco da Gama im Indischen Ozean auftaucht und die Kolonisation durch die Europäer beginnt. François-Xavier Fauvelle nimmt uns in seinem wunderbar geschriebenen Buch mit auf eine außergewöhnliche Reise durch das historische Afrika und zeigt uns seine zu Unrecht vergessenen Schätze.
Dürers Rhinozeros kennt jeder. Aber das goldene Rhinozeros von Mapungubwe? In 34 Kapiteln führt dieses Buch durch die faszinierende Geschichte Afrikas vor der Ankunft der Weißen – ein Thema, über das es bezeichnenderweise bis vor kurzem nicht ein einziges Buch in deutscher Sprache gab. Wer sich mit François-Xavier Fauvelle auf seine Spritztour durch das afrikanische „Mittelalter“ einlässt, der wird jedoch reich belohnt. Von Ostafrika und Nubien, der Zentralsahara und Marokko, Äthiopien, Mali und dem Senegal bis nach Madagaskar und ans Horn von Afrika geht die Reise durch eine unbekannte Welt der versunkenen Wüstenreiche und Stammesherrschaften, auf der es viel zu entdecken gibt: das reiche Erbe eines bis heute unterschätzten Kontinents.

Nubien im Mittelalter (1)

Das Erste, was sofort ins Auge sticht, sobald man das Buch öffnet, ist der dunkelgoldene Vorsatz. Ähnlich aufwändig ist das ganze Buch gestaltet: In der Einleitung wird erst einmal der afrikanische Kontinent mit seinen Klimazonen, den archäologischen und mineralischen Fundstätten vorgestellt. Dies ist insofern zulässig, als dass das Klima sich die letzten 800, 700 Jahre nicht allzu sehr verändert haben wird, auch wenn dies noch einmal überprüft werden müsste; das Alte Ägypten lag auch nicht in einer Wüste, sondern in einer Savanne. Es kann also durchaus sein, dass es zu Klimaverschiebungen gekommen ist.

Auch der Rest des Buches ist sehr gut bebildert, bei zerstörten Fresken sind Zeichnungen beigelegt, wie das gesamte Fresko ausgesehen hat, es gibt Stadt- und Kirchenpläne und Farbfotos. Insofern gibt es nichts zu meckern.
Die Texte sind sehr eingänglich, allerdings ist es durchaus vermessen, das afrikanische Mittelalter in ein Buch pressen zu wollen; ein ähnliches Projekt würde mit Europa ähnlich scheitern, nur, dass wir merken würden, was alles fehlt. Dennoch halte ich *Das goldene Rhinozeros* für ein sehr wichtiges und wertvolles Buch. Warum? – Weil es Afrika seine vermeidliche Geschichtslosigkeit nimmt und zeigt, dass es auch dort unterschiedlichste Kulturen und Gesellschaften, christlich, islamisch und heidnisch, gegeben hat und das dort eben nicht (nur) wilde Stämme hausten, denen die Kolonialherren unbedingt Kultur beibringen mussten.

Bei der Lektüre lohnt es sich, unorthodox zu lesen und nach einem Kapitel zu den recht reichhaltigen Anmerkungen zu blättern.

Fazit

Ich hoffe, dass in Zukunft ähnliche Bücher herauskommen, welche die Geschichte Afrikas verbreiten und dem Kontinent seine vermeintliche Geschichtslosigkeit nehmen.

François-Xavier Fauvelle ist Professor für Afrikanische Geschichte an der Universität Toulouse und ein international anerkannter Fachmann für Afrika vor der Kolonialzeit. Sein Buch Das goldene Rhinozeros wurde mit dem Großen Preis des Geschichtsfestivals „Rendez-vous de l’histoire“ von Blois ausgezeichnet.

Links

Kirchengebäude im nubischen Mittelalter

Nubien im Mittelalter

Kaiserreich Abessinien

Bloginterne Links

Erich Follath – Jenseits aller Grenzen: Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam

John Julius Norwich – Sizilien: Eine Geschichte von der Antike bis in die Moderne

Philipp Hedemann – Der Mann, der den Tod auslacht: Begegnungen auf meinen Reisen durch Äthiopien

Klaus Dornisch – Sagenhaftes Äthiopien: Archäologie, Geschichte, Religion

Das goldene Rhinozeros: Afrika im Mittelalter
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (29. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406713793
ISBN-13: 978-3406713798
Originaltitel: Le Rhinocéros d’or. Histoires du Moyen Âge africain
Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 3 x 24,4 cm

(1) Von SimonP – http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Christian_Nubia.png, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=761534

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