Wussten Sie, dass Meisen der Vielweiberei frönen, Fledermäuse töten, weil deren Gehirn besonders lecker schmeckt, und sich in der Luft wie fliegende Dinosaurier verhalten? Andreas Tjernshaugen, Ornithologe aus Leidenschaft, zeigt, was wir über Meisen alles nicht wissen, er enthüllt uns eine faszinierende Welt direkt vor unseren Augen, die uns bisher verborgen blieb.
Sehr zur Freude seiner Kinder hat Andreas Tjernshaugen eines Tages zwei Meisenkästen in die Bäume des Gartens gehängt und in einem davon eine Kamera installiert, denn er wollte es endlich genauer kennenlernen, das verborgene Leben der Meisen. Haben Meisen Alltagsprobleme? Ja, Nachbarschaftsstreit, Eifersuchtsdramen bei der Partnerwahl, Differenzen bei der Kindererziehung – wie bei uns. Und keine Meise gleicht der anderen: Die einen sind ängstlich, die anderen wagemutig und zupackend, wenn sie Neuem und Unbekanntem begegnen.
Ein Jahr lang hat Tjernshaugen ihre Gewohnheiten beobachtet. Nach der Lektüre seines Tagebuchs werfen wir einen anderen Blick auf die Vögel vor unserem Fenster.

Die Kohlmeisen- Männchen besitzen ein breiteres Brustband und einen breiteren schwarzen Rand unterhalb der weißen Kopfseiten. (1)

Ohne die Meisen im Garten meiner Eltern hätte ich mich nie für dieses Buch interessiert. Für die verwöhnten Biester sind die Insektenknödel vom Dehner die allerunterste Verhandlungsbasis – sonst wird gemeckert und die Knödel mit Verachtung gestraft. Sind die Spender leer, rotten sie sich gerne vorm Wohnzimmer zusammen und schimpfen laut herein, bis meine Mutter den Forderungen nachgibt.
Ich für meinen Teil habe die Vogelfütterung nach der Balkonrenovierung aufgegeben, damit sie nicht alles mit ihrem Kot versauen. Vor allem wurde die Vögel bei mir aber so fett, dass sie nicht mehr das Gleichgewicht im Flug halten konnten und aussahen wie eine Kreuzung zwischen Hummel und Vogel.

Blaumeisen an Meisenknödel (2)

Der Autor beobachtet seine Meisen mit einer Kamera im Nistbau, liest sehr viel Literatur über sie und besucht verschiedene Forscher, welche sich mit den Vögel beschäftigen. Dadurch wird man sehr umfangreich und vielfältig über die Kohl- und Blaumeisen informiert. Was mir nicht gefiel war die unkritische Betrachtungsweise einiger Forschungsexperimente; so blieben Kohlmeisen, die von Blaumeisen aufgezogen worden waren, ein Leben lang alleine und fanden keinen Anschluss an ihre Artgenossen.

Abrundet wird das Buch mit Tipps zur Fütterung und zum Vogelnistbau. Warum die Meisen nur im Sommer Futter holen, und dies im Winter nicht tun, wird nicht erklärt.

Fazit

Ein unterhaltsames Buch zu den Meisen.

Andreas Tjernshaugen, geboren 1972 in Nesodden, studierte Soziologie, arbeitete im Anschluss mehrere Jahre im Bereich Klimaforschung und ist seit 2015 Redakteur bei der Internetenzyklopädie Das große Norwegische Lexikon.
Seinen Vater begleitete er zu dem Vortrag eines Vogelforschers. Es ging um die „Bedeutung von Vererbung und Umwelt bei Meisen“ – mit seinem Buch hat er sich der Sache jetzt selbst angenommen, um unser Wissen über die Meisen auf den neuesten Stand zu bringen.

Das verborgene Leben der Meisen
Gebundene Ausgabe: 234 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (23. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345817723X
ISBN-13: 978-3458177234
Größe und/oder Gewicht: 13,5 x 2 x 21 cm

(1) Von Kristjan Osbek – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17842913
(2) Von I, Luc Viatour, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1447283