Weit über Politik und Wirtschaft hinaus hat sich der Neoliberalismus in unserem Denken und im Alltagsleben verankert. Patrick Schreiner fragt nach den Mechanismen, durch die Menschen neoliberale Ansätze und Ideen als gut, angemessen und alternativlos akzeptieren. Dazu nimmt er das Bildungswesen, Ratgeberliteratur, Esoterik, Sport und Fitness, Stars, das Fernsehen, Soziale Netzwerke sowie Konsum und Lifestyle in den Blick. An diesen Beispielen zeigt Schreiner, wie der Neoliberalismus die Menschen vereinnahmt und welche Folgen das für die Einzelnen wie für die Gesellschaft hat. Dabei wird deutlich: Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet.

Manchmal bin ich wirklich erstaunt, wie man das Offensichtliche einfach nicht zur Kenntnis nimmt.

Dabei meine ich vor allem im Bereich Sport / Stars die Dokumentationen und Biographien auf den Aspekt Talent + Arbeit, Arbeit, Arbeit abzielen. Was ganz offenkundiger Quatsch ist, denn ich könnte trainieren wie ich wollte, aus mir würde keine Ronaldo werden. Sportmediziner haben festgestellt, dass Schwarze ein günstigeres Verhältnis von weißen und roten Muskelfasern haben, weswegen sie z.B. von Weißen beim selben Trainingsstand beim Rennen kaum zu schlagen sind. Man kann einen Maulesel trainieren wie man möchte, er wird nicht zu einem gewinnenden englischen Vollblüter werden.

Das Gespräch der Schuld beim Versagen auf dem Arbeitsmarkt habe ich in letzter Zeit viel mit meiner Mutter gesprochen, da ihre Krankengymnastin oft über fehlende Aufstiegschancen jammert. Hier muss man meiner Meinung nach schon unterscheiden, ob sich jemand einfach der Schule verweigert hat (Wobei letztendlich auch dies Ursachen hat.) oder ob jemand einfach zu doof oder zu wenig ehrgeizig ist. Letztendlich kann man niemanden für seine Charaktereigenschaften verantwortlich machen, mir z.B. waren Ehrgeiz und komparatives Verhalten / Denken immer fremd. Ich habe auch noch nie das Bedürfnis gehabt, mich als besonders toll oder großartig hinzustellen, ganz davon abgesehen, dass ich es nicht bin.

Der Mensch im Neoliberalismus soll nach außen repräsentieren, was sich nach meinen Beobachtungen, und denen des Autors, darin äußert, dass man mit dem Porsche zum Discounter fährt. (Das stimmt übrigens wirklich, vor einigen Lidls und Nettos stehen oft die tollten Autos.) Jemand schrieb einmal in seinem Blog, in amerikanischen Filmen würden die Intellektuellen immer einen schwarzen Ford fahren, und deswegen führe er auch einen. Ich weiß nicht, wie ich das noch kommentieren soll… .

Andere angesprochene Bereiche, wie die Repräsentation des Selbst über einen fitten Körper kennt inzwischen wohl jeder.
Ich für meinen Teil finde es eher erstaunlich, wie unneoliberalistisch ich bin: Ich habe Übergewicht, und gebe mein Geld am lieber für Bücher, Malen nach Zahlen, Acrylfarben und All-you-can-eats neben Pferdchen aus, also absolut nicht repräsentativ. Wenn ich das Geld für Kleidung ausgeben würde, wäre ich eine Modeikone, aber mir reicht mein Wollpulli, den meine Mutter seufzend gestopft hat. Ich kann nichts sonderlich gut, bin bemerkenswert untalentiert, auch wenn einige behaupten, ich hätte das Maltalent meines Großvaters geerbt; bin nicht sonderlich intelligent und auch nicht sonderlich gutaussehend. Und wenn ich das Buch lese, dann fällt mir auf, dass ich noch etwas nicht habe: Stress.

Der Schreibstil wäre flüssig zu lesen, wenn man auf den durchgenderten Mist verzichtet hätte: Überall wimmelt es von -Innen. Auf Seite 66 findet sich der unmöglich zu lesende Satz: *Er/sie hat sich durch körperliche Betätigung und gesunde Ernährung um seine / ihre Gesundheit zu bemühen.* Ich habe wenig Verständnis für diesen Genderunsinn, welcher die Lesbarkeit deutlich herabsetzt, ohne die Aussage zu verbessern.

Fazit

Das Buch liefert wichtige Denkanstöße und lässt einen viele Dinge, gerade auch Filme, neu sehen, aber der berliner Genderunsinn muss wirklich nicht sein.

Patrick Schreiner, *1978, Politikwissenschaftler, hauptamtlicher Gewerkschafter und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Finanz- und Wirtschaftspolitik, Verteilung und politische Theorie.

Neue Kleine Bibliothek: Unterwerfung als Freiheit: Leben im Neoliberalismus
Taschenbuch: 133 Seiten
Verlag: PapyRossa Verlag; Auflage: 5. erweiterte Auflage (10. Februar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3894385731
ISBN-13: 978-3894385736
Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 1,7 x 19,5 cm

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