Die Entfernung zu uns ist nicht nur in Kilometern zu messen. Nordkorea ist ein diktatorisches System, das vor markigen Drohungen an den Rest der Welt und auch vor der Verhaftung von Touristen nicht zurückschreckt. Wenn überhaupt, dann sollte man keineswegs ohne gründliche Vorbereitung dorthin fahren. Doch wenn man sich dafür entscheidet, dann zeigt sich dem Besucher ein verwirrend vielfältiges und oft widersprüchliches Bild. Reisende bekommen trotz der überall vorherrschenden Zensur in Nordkorea viel gezeigt, doch vieles übersehen sie dabei.

Rüdiger Frank ist einer der weltweit besten Kenner Nordkoreas, seit über einem Vierteljahrhundert bereist er das Land regelmäßig. In seinem neuen Buch fasst er seine Reiseerfahrungen zusammen, gibt praktische Tipps und überraschende Einblicke in Alltag und Kultur Nordkoreas.

Panoramablick auf Pjöngjang (1)

Ein klassischer Reiseführer ist *Unterwegs in Nordkorea* nicht, und der wäre auch ziemlich sinnlos, da man weder die Hotels, noch die Reiserouten, Sehenswürdigkeiten oder ähnliches frei wählen darf. Gereist werden darf nur in einer Gruppe, und von dieser darf man sich keine paar Meter entfernen.

Dennoch ist das Buch sowohl für Nordkoreareisende genauso wertvoll wie für diejenigen, die nicht vor haben, das Land zu betreten. Nicht nur, dass der Autor erklärt, wie die Buchung einer Reise abläuft, auch die Ein- und Ausreiseprozeduren werden erklärt. So sollte man es nicht persönlich nehmen, wenn die Grenzabfertigung an die fünf Stunden dauert, das ist normal, und es wird auch ganz genau erklärt, was man bei der Mitnahme von Kameras und Handys beachten sollte – und was besser zu Hause bleibt. Und, was man fotographieren darf und was nicht, und wie z.B. Statuen abzubilden sind.

Der Chuch’e-Turm in Pjöngjang (2)

In Korea selbst werden die Gepflogenheiten erklärt, immer wieder kommt der Autor auf das Verhältnis Reisegruppe – Guides zu sprechen und erzählt von seinen auf verschiedenen Reisen gesammelten Erkenntnissen. So erfährt man viel über das Verhältnis Stadt und Land, besucht u.a. das Museum über amerikanische Kriegsgräuel, ein gekapertes amerikanisches Schlachtschiff und bekommt neben Shoppingtipps auch Informationen über die Wechselkurse, und warum die z.B. CNN verbreitete Neuigkeit, in Nordkorea würden Schokokekse 10 Dollar kosten, einfach eine Fehlinterpretation sind.

Spannend war das Kapitel über das Essen, mit welchem die Gäste aus falsch verstandener Rücksicht nicht in Kontakt kommen. Staunend vernimmt man, dass es zumindest in der Stadt Sushi genauso gibt, wie Pizza oder gar ein Wiener Caféhaus. Aber auch über Restaurants für Süßfleisch (Hundefleisch) oder Fische, welche gehäutet auf den Tellern zappelten.

Fazit

Wer sich für Nordkorea interessiert, der wird das Land nach der Lektüre besser kennen als durch langatmige Analysen.

Rüdiger Frank, geboren 1969 in Leipzig, studierte Koreanistik, Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen in Berlin und Duisburg. 1991/92 verbrachte er ein Sprachsemester an der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang und bereist seither das Land regelmäßig. Nach Lehrtätigkeit in New York und Seoul ist er heute Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien und Leiter des dortigen Instituts für Ostasienwissenschaften. Rüdiger Frank ist ein gefragter Nordkorea-Experte in den Medien und berät internationale Organisationen und Regierungen.

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Verlagsseite – interessant düften für den ein oder anderen die Termine auf der Buchmesse sein.

Unterwegs in Nordkorea: Eine Gratwanderung
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 2 (14. Februar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3421047618
ISBN-13: 978-3421047618
Größe und/oder Gewicht: 14,1 x 3,8 x 21,8 cm

(1) Von Sven Unbehauen – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=957466
(2) Von Martyn Williams – Eigenes Werk Photo taken by Martyn Williams, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=907325