Er ist nur noch ein Abglanz seiner selbst und säuft sich in Florida zu Tode: Jack Kerouac, Idol der Beatniks, der einst das Leben seines Freundes Neal Cassady ausschlachtete, um es zum Kultroman der 1950er Jahre zu verdichten. Da steht aus heiterem Himmel eine Literaturstudentin vor seiner Tür. Ihr Traum: als seine erste Biographin sein Leben aufzuschreiben. Jack weigert sich und lässt sich doch von Jans Bewunderung zu einem Blick zurück verführen. Ein Trip, aus dem keiner der Beteiligten heil herauskommt.

Jack Kerouac um 1956 (Fotografie von Tom Palumbo) (1)

Eines vorweg: Es wird sich sicherlich lohnen, wenn man sich vor der Lektüre vor allem mit Neal Cassady, aber auch mit Allen Ginsberg beschäftigt. Ich habe dies nicht getan, und wahrscheinlich ist mir dadurch viel entgangen.

Der Roman fragt auf mehreren Ebenen, wie man mit Schuld leben kann. Ich spare dabei Jans ganz besondere Rolle aus, denn auch diese treibt ihre fiesen Spielchen, welche hier aber nicht verraten werden.

Erst einmal stellt sie sich als Studentin vor, welche eine Biographie Jacks schreiben möchte, und bei dieser Rolle werde ich es auch in dieser Besprechung belassen. Nachdem er eingewilligt hat, sie in sein Leben zu lassen, oder zumindest seine Vergangenheit zu besprechen, dreht sich das Gespräch sehr schnell um Neal Cassady, welchen Jack im Buch zwar als Romanfigur gebraucht hat, ihn aber mehrere Male erbärmlich hängen ließ, als Neal in größter Not war. Diesen Sünden der Vergangenheit muss Jack sich nun stellen. Dabei hat der Autor nach eigenen Angaben echte Briefe in den Roman eingearbeitet.

Der ganze Roman ist temporeich erzählt und das Vexierspiel der Identitäten ist atemberaubend. Vor allem der Twist gegen Ende hat mir sehr gut gefallen.

Fazit

Eine unbedingte Leseempfehlung.

Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹. Es folgten Romane und Drehbücher (u. a. zu den von ihm auch mitproduzierten internationalen Filmen ›The Theory of Everything‹ und ›Darkest Hour‹ mit Gary Oldman, Filmstart 12. Januar 2018). Er lebt in London.

Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung

Verlagsseite

Jack
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (28. Februar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257068565
ISBN-13: 978-3257068566
Originaltitel: American Letters
Größe und/oder Gewicht: 12,4 x 2,2 x 19 cm

(1) Von Tom Palumbo from New York, NY, USA – Jack Kerouac, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4071339