Valeria hat den Mann ihres Lebens gefunden und heiratet ihn. Aber schon wenige Tage nach der Hochzeit muss sie festellen, dass Eustace ihr etwas verschweigt. Als sie herausfindet, dass ihr Mann wegen Mordes angeklagt war und nur aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, trennt er sich von ihr – dass sie ihm jetzt noch vertrauen kann, mag er nicht glauben. Aber Valerias unerschütterliche Liebe paart sich mit Hartnäckigkeit, und so macht sie sich auf eigene Faust daran, Eustaces Unschuld ein für alle Mal zu beweisen. Auch die skurrilen, ja geradezu beängstigenden Personen, an die sie im Zuge ihrer Nachforschungen gerät, lassen sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Schließlich scheint der Erfolg greifbar nahe zu sein, aber da gerät ihre Entschlossenheit ins Wanken…

Der spannende, aber auch berührende Roman „Eine Frau will Gerechtigkeit“, der hier in einer völlig neuen deutschen Übersetzung vorliegt, erschien ursprünglich 1875. Zum ersten Mal in der Kriminalliteratur lässt Wilkie Collins darin eine Frau die Ermittlungen führen. Amazon

The Law and the Lady, englische Erstausgabe von 1875 (1)

So alle Jubeljahre bekomme ich Lust, Wilkie Collins zu lesen und so bin ich dem Übersetzer und Verleger Sebastian Vogel sehr dankbar, dass er auch nicht so bekannte Werke nun dem deutschen Leser zugänglich gemacht hat.

Dennoch konnte mich *Eine Frau will Gerechtigkeit* nicht so recht begeistern. Es gibt zwar beständig Twists, welche mich bei der Stange hielten, aber ich vermisste die sonst bekannte Collins-Erzähltechnik, dass verschiedene Charaktere das Geschehen aus ihrer Sicht erklären. So bekamen die Charaktere keine Tiefe und blieben farblos. So farblos, dass ich mich manchmal erinnern musste, wer z.B. Benjamin gewesen ist, der immer nur kurze, dafür aber entscheidende Auftritte hat.

Auch der Schreibstil ist recht altbacken, ich musste mich erst rein finden. Wahrscheinlich wurde der originale Duktus sehr gut getroffen.
Aus heutiger Sicht ist es sehr merkwürdig, wie Collins sich am schottischen Rechtssystem und dem möglichen Freispruch *Aus Mangel an Beweisen* abarbeitet. Was heute selbstverständlich ist, ein Freispruch, wenn nicht genug Beweise vorliegen, erregte offenkundig seinen Unmut. Für seine starken Frauenfiguren, viele bezeichnen ihn als Hardcore-Feministen, sei ihm dies verziehen.

Fazit

Collins hat bessere Bücher geschrieben. Auf jeden Fall muss man sich auf einen recht altertümlichen, und damit anspruchsvollen, Schreibstil einstellen.

Wilkie Collins (1824-1889) war einer der großen viktorianischen Schriftsteller. Er arbeitete häufig mit Charles Dickens zusammen und kritisierte wie dieser in seinen Romanen und Kurzgeschichten die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. Im Mittelpunkt stehen dabei oftmals starke Frauengestalten. Mit seinen bekanntesten Werken „Die Frau in Weiß“ und „Der rote Schal“ begründete er das Genre der Kriminalromane.

Taschenbuch: 580 Seiten
Verlag: epubli; Auflage: 10 (23. April 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746718856
ISBN-13: 978-3746718859
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 0 Monate und älter
Verpackungsabmessungen: 24,4 x 12,6 x 3,4 cm

(1) Von Wilkie Collins – Internet Archive identifier, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17353640