Von der Freude und Traurigkeit des Erwachsenwerdens, vom Ende der Unschuld und von der Kraft der Anteilnahme – ein leuchtender Roman!

Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein – oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben. Amazon

View of the Minnesota River from Memorial Park; southeast of Granite Falls, MN. (1)

Über weite Teile hat mich das Buch an den Film *Stand by me* erinnert: Jungenderlebnisse in einer Kleinstadt, nichts Spektakuläres. Man muss sich nicht unbedingt mögen, aber man lebt miteinander.

Unterschwellig ist er aber immer da, der Tod. Da ist der Vater der Familie, der Kriegstraumata hat, weil er töten musste, selbst wenn es nur Umrisse für ihn waren. Oft kommt das Gespräch auf die Schwierigkeiten des Tötens und wie es einen verändert. Wie es dazu führt, dass ein zukünftiger Anwalt Pfarrer wird. Der Tod ist aber auch in Form eines kleinen Jungen und eines Landstreichers anwesend. Und letztendlich ereilt er die Familie, in welcher lange übertünchte Konflikte aufbrechen. Und dann ist da noch die klassische Krimifrage: Wer hat getötet und warum?

Dem Autor ist es sehr gut gelungen, das miefige Kleinstadt-Amerika der 60er Jahre darzustellen, in welchem auf der einen Seite ein unfreiwilliges Outing jemanden in den Selbstmord treiben konnte, dieselbe Gemeinschaft aber auch Halt und Geborgenheit vermittelte.

Gleichzeitig ist es Krueger sehr gut gelungen, aus der Perspektive eines kleinen Jungen heraus zu schreiben, der Vieles von dem, was er hört und sieht, noch gar nicht richtig einordnen kann. Überhaupt sind alle Charakter vielschichtig und glaubhaft angelegt. Wenn dies nicht nur ein Roman, sondern ein echter Bericht aus einer Jugendzeit gewesen wäre, dann hätte ich das auch geglaubt.

Fazit

Ein glaubhafter Coming-of-age-Roman mit einem Schuss Krimi.

William Kent Krueger, 1950 in Wyoming geboren, arbeitete nach seinem Studium in Stanford als Bauarbeiter und Journalist. Einem großen Publikum wurde er mit seiner Krimireihe um den Ex-Sheriff Cork O’Connor bekannt. »Für eine kurze Zeit waren wir glücklich« ist Kruegers erster literarischer Roman, mit dem er zum achten Mal in Folge den Sprung auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte.

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Piper (1. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492058450
ISBN-13: 978-3492058452
Größe und/oder Gewicht: 13,1 x 4 x 21,1 cm

(1) By Andercee, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3008286