Viele Familien haben ein Geheimnis. Doch nur wenige eines wie die von Bart van Es. 1942 hatten seine Großeltern, einfache Arbeiter aus Dordrecht, das ihnen völlig unbekannte jüdische Mädchen Lien vor den Nazis versteckt. Achtjährig war sie von ihren Eltern von Den Haag aus zu den van Es geschickt worden, mit ihrem Poesiealbum und einem Brief ihrer Mutter an die Pflegeeltern in der Tasche. Doch schon einige Monate später musste Lien die Familie, die sie schnell lieb gewonnen hatte, verlassen und in ein sichereres Versteck auf dem Land weiterziehen, wo es ihr nicht gut erging. 1945 kehrte sie als einzige Überlebende ihrer Familie zu den van Es zurück und wurde von ihnen adoptiert. Amazon

Binnenhof, das politische Zentrum der Niederlande (1)

Es war, so meine ich mich zu erinnern, in der Grundschule, als man uns beibrachte, dass man eine Geschichte straff von Anfang bis Ende erzählt, und dass es den Leser extrem verwirrt, wenn man beständig Nebenhandlungen berichtet, welche schlimmstenfalls ins Nichts führen. Ich meine, mich auch noch grob an folgende Grafik zu erinnern:

Unten: Das Mädchen mit dem Poesiealbum.

Ich habe wirklich noch kein so zerfasertes Buch erlebt. Anstatt sich auf die Biographie zu konzentrieren, erzählt der Autor auch von den Plätzen, die er aufsucht, und von den Nachrichten, welche er hört. während er unterwegs ist. Es fällt mir schwer, das Schicksal einer von den Nazis verfolgten, jugendlichen Jüdin mit der Freizügigkeit der Prostitution in den Niederlanden, der geologischen Geschichte des Landes und dem Attentat auf Charlie Hebdo zu verknüpfen. Und mit den Tücken bestimmter Autobahnausfahrten. Das Buch ist ein einziges Mischmasch aus lauter Themen, welche nichts miteinander zu tun haben.

Die biographischen Anteile sind auch nicht gut geschrieben, denn den Autor kann sich nicht zwischen Roman und Sachbuch entscheiden, und schwankt immer hin und her.


Fazit

Ich empfehle das Buch für Creative Writing – Kurse – als Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.


Bart van Es wurde in den Niederlanden geboren und zog mit seinen Eltern nach England, wo er auch heute noch mit seiner Familie lebt. Er ist Professor für Englische Literatur an der Universität von Oxford und Fellow des St. Catherine’s Colleges. Er veröffentlichte auch populäre Bücher über die Werke von William Shakespeare.
Silvia Morawetz studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist seit 1984 als literarische Übersetzerin tätig. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds.
Theresia Übelhör hat nach einem Studium der Anglistik und Romanistik etwa fünfzig Werke aus dem Englischen und Französischen übersetzt. Für DuMont legte sie 2017 die Übersetzung des ›Atlas unserer Zeit‹ vor.

Das Mädchen mit dem Poesiealbum
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (18. Februar 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832198563
ISBN-13: 978-3832198565
Größe und/oder Gewicht: 13,9 x 2,7 x 21,3 cm

(1) Von Sir James – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21208003