Massive Spoiler

Yu-jin ist der perfekte Schüler, der erfolgreiche Schwimmer, der gute Sohn. Doch eines Morgens ist alles anders. Er erwacht von einem metallischen Geruch. Seine Klamotten sind blutverschmiert, rote Fußspuren führen zu seinem Bett. Mit wachsendem Grauen folgt er ihnen ins Untergeschoss, wo er eine entsetzliche Entdeckung macht: Seine eigene Mutter liegt tot im Wohnzimmer, die Kehle sauber durchtrennt.

Seine Erinnerungen an den letzten Abend sind wie ausgelöscht. Im Wettlauf gegen die Zeit muss er die bruchstückhaften Bilder des gestrigen Abends zu einer Lösung zusammensetzen. Was ist geschehen? Und wieso scheinen alle Hinweise auf ihn selbst zu deuten? Amazon

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Ich mag keine Erzähler, denen man nicht vertrauen kann, und Yu-jin kann man definitiv nicht vertrauen. Dass liegt nicht nur daran, dass er selbst sich auf den Tod seiner Mutter keinen Reim machen kann, sondern auch daran, dass immer mehr herauskommt, dass psychisch nicht alles so ist, wie es sein sollte. Denn die Medikamente gegen Epilepsie setzt er in Stressphasen immer wieder ab, und tauscht damit die Nebenwirkungen aus, welche sich durch die Medikamente und ihr drastisches Absetzen bedingen.

Wirklich überzeugen, konnte mich das Buch nicht. Dass lag vor allem daran, dass kein anderer möglicher Täter präsentiert wurde, obwohl dies in Gestalt des Adoptivsohnes durchaus möglich gewesen wäre.. Die Autorin hat damit ganz gewaltig Spannung aus dem Roman genommen, indem sie keinen anderen möglichen Täter präsentierte, sondern immer alles auf Yu-jin und seine Wahnvorstellungen hinauslaufen ließ. Schon auf den ersten hundert Seiten weiß man, wie der Hase läuft, und ab dann liest man nur noch, um sich die Bestätigung einzuholen.

Enthüllt werden auch Episoden aus seiner Kindheit, wobei unklar bleibt, welche Schilderung stimmt, die seiner Mutter, die alles nur aus der Ferne sah, oder ob der unzuverlässige Erzähler recht hatte, war er doch am Ort des Geschehens.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen, ihm fehlte es wie die Geschichte an Rafinesse.

Fazit

Der Minitwist am Ende des Buches rundet das Buch leider auch nicht ab – mich hat es nicht überzeugt.

Jeong Yu-jeong (geb. 1966) wird »Koreas Stephen King« genannt. Ihre psychologisch ausgefeilten Kriminalromane stehen regelmäßig an der Spitze der Bestsellerliste. Sie arbeitete als Krankenschwester und als Sachverständige der staatlichen Gesundheitsversicherung, bevor sie zu schreiben begann. Als Autorin trat sie an die Öffentlichkeit mit ihrem ersten Roman My Life’s Spring Camp. Für ihre Werke erhielt sie 2007 den Segye Youth Literary Award und 2009 den renommierten Segye Ilbo Literary Award.

Der gute Sohn
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1 (28. Januar 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3293005411
ISBN-13: 978-3293005419

(1) Bernard Ladenthin – Eigenes Werkg3znxdfv, gemeinfrei; https://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie#/media/File:Epilepise_%C3%A4tiologie.svg